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Filmkritik: "Black Panther"

Afrikanische Utopie

Superhelden-Filme sind nicht per se schlecht. Es gibt bessere ("Spider-Man I" und II, die beiden "Batman"-Filme von Tim Burton und "The Dark Knight", der erste "Superman") und es gibt schlechtere ("Avengers", "Elektra") unter ihnen. Doch nur selten gingen die Regisseure und Drehbuchautoren beim Konzipieren der Handlung über das alte Gute-gegen-Böse-Schema hinaus, ein Film wie der zweite Spider-Man, der den inneren, moralischen Konflikt seines Protagonisten abwog, war die ganz große Ausnahme. Doch jetzt scheint sich Hollywood ganz vorsichtig daran zu machen, aus den Superhelden-Geschichten mehr herauszuholen. "Wonder Woman", gedreht von einer Frau, war im letzten Jahr ein vorsichtiger Ansatz, eine starke, unabhängige Frau als Heldin zu etablieren. "Black Panther" geht noch einen Schritt weiter und setzt auf einen nahezu komplett schwarzen Cast mit einem schwarzen Superhelden als Mittelpunkt. Und mehr noch: Der Film hat sogar eine politische Botschaft, die der aktuellen Linie des Weißen Hauses diametral entgegensteht.

Der Black Panther heißt mit bürgerlichem Namen T’Challa (Chadwick Boseman) und kommt aus Wakanda, einem kleinen, von der Außenwelt weitgehend abgeschnittenen Land im Herzen von Afrika. Vor einigen Jahrhunderten ging dort ein Meteor nieder, der eine große Menge des Metalls Vibranium enthielt, das ansonsten nirgendwo auf der Erde existiert. Damit konnten die Bewohner nicht nur Energie erzeugen und eine blühende High-tech-Kultur aufbauen, Vibranium ermöglichte ihnen auch das Aufspannen eines Tarnschirms, der die Hochhäuser und futuristischen Fahrzeuge des Landes vor fremden Augen verbarg und es wie einen armen, von Ackerbau und Viehzucht geprägten Staat aussehen ließ.

Zu Beginn soll T’Challa als Nachfolger seines Vaters zum neuen König ernannt werden. Doch es gibt Herausforderer, allen voran sein verschollen geglaubter Cousin Killmonger (Michael B. Jordan), der ihn dann auch im Kampf besiegt. Nachdem er den Königsthron bestiegen hat, beginnt Killmonger, mit den Ressourcen und hochentwickelten Waffen von Wakanda unterdrückte Gruppen im Ausland zu unterstützen und Kriege anzuzetteln.

Tatsächlich passiert noch wesentlich mehr, die Handlung von "Black Panther" ist teilweise recht verworren. Es treten unter anderem noch ein weißer Waffenschmuggler (Andy Serkis), ein CIA-Agent (Martin Freeman), Verräter, Ex-Geliebte, ein weiser Berater (Forest Whitaker), eine superkluge Wissenschaftlerin (Letitia Wright) sowie die Mitglieder einer weiblichen Elitetruppe auf. Am Anfang tut sich der Film schwer, die Ausgangssituation und die Besonderheiten von Wakanda zu erklären. Der Erzählfluss ist stockend, dazu steht gleich zu Beginn eines dieser öden Mann-gegen-Mann-Duelle, auf welche die Marvel-Streifen offenbar nicht verzichten können. Später jedoch nimmt die Handlung Fahrt auf, findet ihren Rhythmus, und der Film wird tatsächlich recht unterhaltsam, selbst als es gegen Ende noch zu einem zweiten, episch ausgebreiteten Duell kommt.

Die Atmosphäre von "Black Panther" ist von Anfang bis Ende durchgehend afrikanisch, dazu tragen die bunten Gewänder und archaischen Riten genauso bei wie die wüste Trommelorgie, die der aktuell angesagteste Rapper der Welt, Kendrick Lamar, für den Score komponiert hat. Zusammen mit der technisch fortgeschrittenen Zivilisation von Wakanda ergibt das eine seltsame Mischung, die aber in sich stimmig ist – eine der größten Leistungen des Films. Wakanda ist erkennbar nicht aus den christlich-jüdischen Traditionen der westlichen Welt entstanden, sondern hat eine eigene Entwicklung durchgemacht. Das Land und seine Gesellschaft ist eine afrikanische Utopie.

Die einzelnen Figuren hingegen, allen voran T’Challa und Killmonger, entsprechen leider den üblichen Stereotypen von Hollywood und der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Hinzu kommen die zahlreichen Anleihen, die "Black Panther" bei großen, erfolgreichen Filmen der Vergangenheit nimmt, angefangen bei "James Bond" über "Katzenmenschen" bis hin zu "Star Wars", was die Faszination der Kultur, die hier entworfen wird, deutlich abschwächt.

"Black Panther" hat einige großartige Ideen und Ansätze, setzt sie allerdings nicht konsequent genug um. Trotzdem gehört der Film trotz all seiner hektischen Handlungsentwicklung zu den besseren Superhelden-Streifen und funktioniert auf Wunsch sogar als reines Action-Spektakel noch recht gut.

"Black Panther" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Mittwoch 21 Februar 2018 um 22:09 von Roland Freist

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