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Filmkritik: "Der Marsianer – Rettet Mark Watney"

Robinson auf dem Mars

Das Motiv des einsamen Astronauten, der ohne Verbindung zur Erde versucht zu überleben, ist in den letzten Jahren schon zwei Mal verwendet worden. Einmal in dem unterschätzten "Moon", in dem Sam Rockwell auf der Rückseite des Mondes allein mit seinen Robotern lebt, zum anderen in "Gravity", der Sandra Bullock bei dem verzweifelten Versuch zeigt, von der ISS wieder heil auf die Erde zurückzukommen. Doch die Traditionslinie ist noch wesentlich länger: "2001: Odyssee im Weltraum", "Lautlos im Weltraum" oder auch der erste "Alien"-Film: Immer geht es um die Einsamkeit des Menschen in den riesigen Weiten des Universums und um den Kampf ums Überleben.

"Der Marsianer" schließt sich dieser Tradition an und fügt noch einen großen Batzen Robinson Crusoe hinzu. Der einsame Inselbewohner ist in diesem Fall Mark Watney (Matt Damon), Mitglied einer internationalen Expedition zum Mars, wo das Team bereits in den ersten fünf Minuten des Films von einem Sandsturm überrascht wird. Da die Fähre, welche die Astronauten zurück zum Mutterschiff bringen soll, im heftigen Wind umzukippen droht, beschließt Commander Melissa Lewis (Jessica Chastain), die gesamt Mission abzubrechen und vorzeitig zurückzufliegen. Im Sturm wird Watneys Raumanzug beschädigt und das Team verliert ihn. Im Glauben, dass er tot ist, fliegen sie zurück zur Erde.

Doch Watney ist nicht tot. Er weiß, dass die nächste Expedition erst in einigen Jahren kommen wird. Bis dahin ist er auf sich allein gestellt. Er findet einen Weg, Wasser herzustellen und Kartoffeln anzubauen. Nach einigen Wochen kann er sogar mit der Erde kommunizieren, zunächst nur zeichenweise im Hexadezimalcode, später über einen alten Marsrover sogar per Notebook. Damit beginnt der letzte Akt des Films, die Rettungsaktion.

Ridley Scott hat einen nahezu perfekten Film gedreht, zwar nicht übermäßig spannend, aber unterhaltsam, teilweise sogar witzig und mit guten Darstellerleistungen. "Der Marsianer" ist kein Actionthriller wie "Gravity", auch wenn einige Szenen am Schluss stark an den Oscar-Gewinner von 2014 erinnern. Was ihn interessant macht, das sind die Überlebens- und Rettungsstrategien, die Watney und später auch die Nasa entwickeln. Mit einer solchen Situation hatte bei der Planung der Mission niemand gerechnet, also muss stets aufs Neue improvisiert, müssen unkonventionelle Lösungen gefunden werden. Watney muss Geräte umfunktionieren und Ressourcen anders einsetzen, die Nasa Flugbahnen und Zeitpläne neu berechnen. Es macht Spaß, dabei zuzusehen. Allerdings fragt man sich auch, warum eine Mars-Basis, in der die Crew wochenlang leben soll, nicht mit einem simplen Funkgerät ausgestattet ist.

Es ist klar, dass Mark Watney die zentrale Figur des Films ist. Ob der Film funktioniert oder nicht, hängt stark davon ab, ob Matt Damon diese Rolle zum Leben erwecken kann. Und es gelingt. Sicher und souverän macht er aus Watney einen echten Menschen, der mit seiner Situation mit viel Optimismus und trockenem Humor, aber auch mit Anfällen von Wut und Resignation begegnet. Auch die Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt. Außer der bereits erwähnten Jessica Chastain (die ebenso wie Matt Damon bereits im 2014er SF-Epos "Interstellar" mit dabei war) spielen unter anderem auch Kristen Wiig ("Brautalarm") als die PR-Verantwortliche der Nasa, Jeff Daniels ("Looper") als Nasa-Direktor, Michael Peña ("American Hustle"), Sean Bean ("Der Herr der Ringe"), Kate Mara ("House of Cards") und Chiwetel Ejiofor ("12 Years a Slave") mit.

Dennoch ist aus "Der Marsianer" kein Vier-Sterne-Film geworden. Zwar ist er in der Machart, wie bereits gesagt, perfekt. Doch ist die Handlung auf der anderen Seite auch sehr vorhersehbar. Man weiß von vornherein, dass Watney überleben wird. Und wenn er nach etwa der Hälfte des Films seine ersten Kartoffeln erntet und mit der Erde chattet, dann weiß man, dass da noch ein fürchterlicher Rückschlag kommen muss. Und es ist auch von vornherein klar, dass die Rückholaktion nicht wie geplant ablaufen kann. Es fehlen der Handlung ein wenig die Überraschungsmomente, die Ausbrüche aus dem Robinson-Crusoe-Schema. Was nichts daran ändert, dass es sich um einen ausgezeichneten, sehenswerten Film handelt.

"Der Marsianer – Rettet Mark Warney" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Samstag 10 Oktober 2015 um 18:10 von Roland Freist

Bearbeitet: Samstag 10 Oktober 2015 18:14

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