« Filmkritik: "On the Road – Unterwegs" | Zurück zur Startseite dieses Blogs | Filmkritik: "Savages" »

Filmkritik: "Looper"

Zurück aus der Zukunft

Zeitreise-Filme besitzen einen ganz eigenen Charme. Man weiß zwar aus der Physik, dass Reisen in die Vergangenheit unmöglich sind. Doch das Gedankenexperiment, das mit solchen Reisen verbunden ist, übt einen so starken Reiz aus, dass man sich immer wieder darauf einlässt.

Auch in "Looper" geht es um das bekannte Paradox: Wenn ich in der Zeit zurückgehen und dort entscheidende Veränderungen vornehmen würde – indem ich beispielsweise dafür sorge, dass mein Vater und meine Mutter sich niemals kennenlernen – dann kann ich selber später auch nicht geboren werden, was wiederum bedeutet, dass meine Eltern doch zusammenfinden etc. Die Zeitreise erzeugt eine Schleife, eine Loop. Auch in "Looper" entsteht eine solche Schleife. Und wie der Film sie zum Schluss auflöst, das ist originell und zugleich sehr konsequent durchdacht.

"Looper" spielt größtenteils im Jahr 2044. Zeitmaschinen existieren noch nicht, aber man wird sie in einigen Jahren erfinden. Aufgrund der Gefahr, dass es zu den beschriebenen Paradoxien kommt, werden sie jedoch sofort verboten. Lediglich im Untergrund sind sie noch im Einsatz: Das organisierte Verbrechen hat erkannt, dass eine Zeitmaschine eine prima Möglichkeit eröffnet, Menschen spurlos verschwinden zu lassen. Die Gangster schicken sie einfach gefesselt und mit einer Kapuze über dem Kopf in die Vergangenheit. Dort wartet bereits ein angeheuerter Killer auf sie, ein Looper. Der Mann aus der Zukunft erscheint, der Looper schießt. Auftrag erledigt. Die Bezahlung besteht in Silberbarren, die die Mafia den Opfern der Einfachheit halber auf den Rücken schnallt.

Auch Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Looper. Eines Tages, als er wieder einmal einen Job erledigen soll, erscheint an der angegebenen Stelle ein Mann ohne verhülltes Gesicht, und Joe erkennt sich selbst, nur eben 30 Jahre älter. Der alte Joe, gespielt von Bruce Willis, nutzt den Überraschungseffekt und kann entkommen.

Joe wusste, dass er sich eines Tages selbst würde erschießen müssen. Das ist Teil des Deals und nennt sich "den Loop schließen". Der Looper weiß dann, dass er noch genau 30 Jahre zu leben hat. Wenn er jedoch jemanden laufen lässt, wie in diesem Fall, dann ist die gesamte Außenstelle der Mafia in der Gegenwart hinter ihm und seinem Opfer her. Geleitet wird das Hauptquartier der Verbrecher von Abe, der als Stellvertreter der Bosse in die Vergangenheit geschickt wurde. Er wird gespielt von Jeff Daniels ("Gefährliche Freundin", "Pleasantville"), der trotz seiner weichen Gesichtszüge einen ausgezeichneten Gangster abgibt.

Nachdem sie sich nun beide auf der Flucht befinden, setzen sich Joe (alt) und Joe (jung) erst einmal zusammen und besprechen die Lage. Joe der Ältere erzählt Joe dem Jüngeren, was geschehen wird. Wir sehen die folgenden Jahre im Zeitraffer. Nach seiner Flucht versteckte er sich in Asien und lernte dort seine Frau kennen, mit der er die besten Jahre seines Lebens verbrachte. Doch dann erschien bei dem Verbrechersyndikat ein neuer, grausamer Boss, genannt "der Regenmacher", der nun begann, die Looper einen nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. Auch Joe den Älteren hatte er ausfindig gemacht. Doch als seine Männer kamen, um Joe umzubringen, erwischten sie lediglich seine Frau. Joe hingegen konnte sich mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit retten. Er sucht nun die junge Version des Regenmachers. Sein Plan ist, ihn zu töten, um so die Zukunft zu verändern und seine Frau zu retten.

Tatsächlich machen die beiden Joes, jeder für sich, wenig später den jungen Regenmacher ausfindig. Er heißt Cid (Pierce Gagnon), ist etwa fünf Jahre alt und lebt mit seiner Mutter Sara (Emily Blunt) auf einer Farm in Kansas. Doch während der ältere Joe den Jungen tatsächlich erschießen will, sieht sich die jüngere Version von Joe als ihr Beschützer.

Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson erweitert das Genre der Zeitreisen-Filme um einige schöne Details. Die Verwendung der Vergangenheit zur Entsorgung von Mafiaopfern ist eine ebenso originelle Idee wie die Kommunikation zwischen einer Person in der Gegenwart und ihrem zukünftigen Ich: Die Nachrichten werden einfach in den Unterarm geritzt, auf dem Arm der älteren Version erscheinen die Buchstaben als Narbengewebe. Dass diese Art der Kommunikation nur in einer Richtung funktioniert, ist natürlich ein Nachteil.

Zugleich stellt der Film einige interessante Fragen: Wäre es wirklich gerechtfertigt, ein Kind umzubringen, aus dem später einmal ein blutrünstiger Mörder werden könnte? Welche Gründe sind überhaupt verantwortlich dafür, dass ein Mensch zum Psychopathen wird?

"Looper" ist intelligent gemacht, arbeitet mit hohem Tempo, ist spannend, gut fotografiert und beschäftigt eine Riege von ausgezeichneten Schauspielern. Bruce Willis hält sich angenehm zurück, Joseph Gordon-Levitt und Emily Blunt füllen ihre Rollen ruhig und souverän mit Leben. In der Konsequenz, in der der Film sein Grundthema, die Zeitreise, durchdenkt, erinnert er an last year’s "Source Code". Störend wirkt lediglich die Telekinese, die Fähigkeit zum Bewegen von Gegenständen mit der Kraft der Gedanken, die zum Schluss hin eine immer größere Rolle spielt. Dieses Element ist überflüssig, man hätte das auch anders lösen können. Ansonsten jedoch ist "Looper" ein ausgezeichneter Science-Fiction-Thriller.

"Looper" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Mittwoch 10 Oktober 2012 um 16:39 von Roland Freist

Bearbeitet: Samstag 12 Januar 2013 16:29

blog comments powered by Disqus

« Filmkritik: "On the Road – Unterwegs" | Zurück nach oben | Filmkritik: "Savages" »

Impressum/Kontakt