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Filmkritik: "Tron Legacy"

Gefangen im Atari-Universum

Der erste "Tron", gedreht 1982, war etwas völlig Neues. Zum ersten Mal entwarf ein Film eine komplett digitale Welt und setzte seine Schauspieler hinein. Die Ästhetik war angelehnt an die Computerspiele der damaligen Zeit, die größtenteils noch auf Daddelautomaten in Spielhallen liefen. Die Handlung war bereits damals bescheuert und der Film teilweise unfreiwillig komisch ("Bist du ein User?"), aber das machte nichts. Es war das Look & Feel, das zählte. Der neue "Tron Legacy" tut sich da schwerer.

Die Handlung setzt da an, wo der alte Film aufhörte. Kevin Flynn, der Held des ersten Teils, war plötzlich verschwunden. Eines Tages erhält ein Freund von ihm eine Pager-Nachricht. Sie kommt aus der Spielhalle, in der sich Flynns Büro befand. Sein Sohn Sam (Garrett Hedlund) macht sich daran, die Sache zu untersuchen, und entdeckt in einer Geheimkammer eine Vorrichtung, die ihn in die Spielewelt transferiert. Und wen wundert’s, er wird sofort für ein Turnier verpflichtet, das wie in der guten alten Zeit mit einem heute etwas lächerlich anmutenden, leuchtenden Wurfring ausgetragen wird, dem so genannten Diskus. Sam überlebt, kann mithilfe der attraktiven Quorra sogar entkommen. Sie bringt ihn zu seinem Vater, der wie schon im ersten Film von Jeff Bridges gespielt wird. Der ist nun schon seit Jahrzehnten in einem Atari-Spiel gefangen und hat demzufolge eine etwas resignierte Sicht auf die Welt. Doch jetzt hat sich die Situation geändert. Denn die Tür, die Sam bei seinem Eintreten in die Spielewelt benutzt hat, steht noch eine Zeitlang offen, und so beschließen die drei zu fliehen. Aber auch Clu, eine digitale Spielfigur, will endlich mal das echte Leben kennenlernen und die reale Welt genauso perfektionieren, wie er es mit seinem digitalen Umfeld getan hat. Es kommt zu einem Wettrennen zwischen den guten und den bösen Kräften des Spiels, bei dem dann auch der Diskus beiseitegelegt und richtig geschossen wird.

Die Handlung wirft einige Fragen auf: Was geschah eigentlich mit dem Körper von Sams Vater, während er in der Spielewelt war? Und warum ist er dort gealtert? Können digitale Figuren tatsächlich Falten und graue Haare bekommen? Wie können Programme in die reale Welt entweichen? Warum ist Sam erst Ende 20? Der erste Film ist von 1982, damals war Sam etwa zwölf Jahre alt. Eigentlich müsste er jetzt um die 40 sein. Halt, das weiß ich: Sam ist deshalb erst Ende 20, weil Menschen in diesem Alter ansehnlicher sind und die Produzenten einen noch etwas jugendlichen, gutaussehenden Hauptdarsteller haben wollten. Der Darsteller von Sam sieht übrigens eher so aus, als würde er drei Mal pro Woche Sport treiben anstatt vor dem Computer zu sitzen und zu daddeln. Aber das nur nebenbei.

"Tron Legacy" ist technisch perfektes Kino. Die Szenen in der Realwelt sind in 2D, die Handlung in der Spielewelt ist in 3D gedreht. Der Unterschied fällt nur in wenigen Momenten auf, was zeigt, dass man sich die 3D-Technik auch hätte schenken können. Eindrucksvoll ist jedoch das mit digitalen Mitteln auf jung getrimmte Gesicht von Jeff Bridges, der in einer Dreifachrolle neben dem Kevin Flynn aus den 80ern und von heute auch seinen digitalen, nicht gealterten Gegenspieler Clu verkörpert. Das gelingt ihm ausgezeichnet, und Bridges bestätigt einmal mehr seinen Ruf, dass er sich nie hängen lässt und in jeder Rolle, die er annimmt, eine überzeugende Leistung bringt.

Leider haben es die Produzenten versäumt, aus "Tron Legacy" mehr zu machen als das Sequel eines legendären Films aus den 80ern. Anstatt eine zeitgemäße Videospiel-Umgebung zu erschaffen, beispielsweise mit Monstern und Unholden in düsteren Dungeons, haben sie einfach nur das alte 80er-Jahre-Szenario optisch etwas aufgemotzt. Es fehlten sowohl der Mut als vermutlich auch der Wille und die Inspiration, etwas Neues zu entwerfen. Schade, da wurde eine Chance verpasst. So ist aus "Tron Legacy" ein durchschnittlicher Actionfilm geworden, durchaus unterhaltsam, professionell und mit hohem Tempo inszeniert. Mehr aber auch nicht.

"Tron Legacy" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Freitag 28 Januar 2011 um 15:40 von Roland Freist

Bearbeitet: Sonntag 03 Juli 2011 16:26

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