« Filmkritik: "Guardians of the Galaxy Vol. 2" | Zurück zur Startseite dieses Blogs | Die besten Zuordnungen von OnlineTvRecoder »

Filmkritik: "Alien: Covenant"

Alien: Schluss

Zum Schluss ist man fast froh, dass es nun endlich vorbei ist. "Alien: Covenant" schließt die Lücke zwischen "Prometheus" und dem ersten Alien-Film von 1979 und gibt Antworten auf die letzten noch offenen Fragen. Man erfährt, woher die Aliens ursprünglich kamen, wie sie entstanden, warum sie erschaffen wurden. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, und das ist gut so. Denn "Covenant" ist kein guter Film mehr.

Regisseur Ridley Scott, der den ersten Teil der Saga gedreht und den Ruhm der Serie begründet hatte, erzählt in diesem sechsten Teil die Geschichte des Raumschiffs Covenant und seiner Besatzung. Zehn Jahre nachdem die Prometheus sich auf den Weg nach dem Ursprung der Aliens gemacht hatte, ist es mit mehr als 2000 Siedlern im Tiefschlaf auf dem Weg zu einem unbewohnten Planeten. Nach einem Unfall wird die Besatzung automatisch aufgeweckt und entdeckt ganz in der Nähe einen weiteren Planeten, der sich ebenfalls für eine Besiedlung eignen könnte. Dort angekommen, stellt sich heraus, dass es sich um den Heimatplaneten der Außerirdischen handelt, die wir in "Prometheus" kennengelernt hatten. Doch sie sind alle tot, der Planet wird nur noch fiesen Monstern bewohnt, die sich wie Schwärme aus Blütenpollen formieren und menschliche Wesen über den Gehörgang oder auch die Nasenschleimhäute infizieren. Das einzige intelligente lebende Wesen auf dieser Welt ist der Androide David (Michael Fassbender) von der Prometheus, der das von den Ohren- beziehungsweise Nasenbohrern bereits dezimierte Team der Covenant bei sich aufnimmt. Er lebt in der ehemaligen Stadt der Außerirdischen in einer Höhle und sagt Sachen wie "Niemand versteht die traurige Perfektion meiner Träume". Ganz offensichtlich ist er verrückt geworden.

"Alien: Covenant" besteht zu großen Teilen aus Versatzstücken der beiden bisherigen Alien-Filme von Scott. Die großen Eier tauchen wieder auf, in denen der Alien-Nachwuchs heranreift, der Facehugger, der den menschlichen Wirt infiziert, die Geburtsszene mit dem Durchstoßen der Bauchdecke, aber auch die bleichen Erschaffer der Menschheit und nicht zuletzt auch die philosophischen Betrachtungen über das Wesen des Menschen und seine Herkunft. Echte Überraschungen sind Fehlanzeige, stattdessen weiß man den größten Teil der Zeit, was kommen wird, und schaut demensprechend gelangweilt zu. Man spürt den fehlenden Enthusiasmus bei diesem Filmprojekt. Musste halt noch gemacht werden, damit die Reihe abgeschlossen werden kann.

Ähnlich uninteressant wie die Handlung sind die Charaktere. Man lernt keinen von ihnen wirklich kennen, entsprechend egal ist es einem dann auch, wenn sie, getreu den Regeln des Horrorfilms, einer nach dem anderen ins Gras beißen. Oftmals ist auch nicht klar, wer gerade noch am Leben und wer bereits tot ist. Zwischendurch ertappte ich mich bei dem Gedanken "Oh, die beiden gibt’s ja auch noch", als plötzlich zwei Figuren wieder auftauchten, die eine Weile von der Bildfläche verschwunden waren. So etwas wirft kein gutes Licht auf die Charakterzeichnung eines Films.

Auch schauspielerisch ist der Film eine Enttäuschung. Michael Fassbender läuft als einziger zur Normalform auf, ist souverän und überzeugend. Hier spielt er sogar eine Doppelrolle, da an Bord der Covenant ein weiterer Androide seines Typs zur Mannschaft gehört. Anderen bewährten Schauspielern wie Billy Crudup ("Almost Famous", "Watchmen"), Danny McBride ("Up in the Air") oder Demián Bichir ("The Hateful 8") gelingt es nicht, sich im engen Korsett ihrer Rollen zu entfalten. Die Hauptrolle hingegen, die bei den Alien-Filmen traditionell von einer Frau gespielt wird, hat Katherine Waterston ("Inherent Vice") erhalten. Sie ist eine gute Schauspielerin, in dieser Rolle jedoch trotz Kurzhaarfrisur eine Fehlbesetzung. Wehmütig denkt man an die Zeiten von Ripley alias Sigourney Weaver zurück, der auch das begriffsstutzigste Alien bereits von weitem ansah, dass mit dieser Frau nicht gut Kirschen essen ist. Waterstons Figur kann in keiner einzigen Szene einen ähnlichen Eindruck erwecken.

Mit "Alien: Covenant" hat Ridley Scott eine große Chance vertan. Es war klar, dass der ursprüngliche Handlungsstrang der Alien-Filme sein Ende erreicht hatte und etwas Neues kommen musste. "Prometheus" war ein guter, vielversprechender neuer Ansatz und auch ein guter Film. So hätte es weitergehen können. Doch stattdessen beschränkt sich "Covenant" im Wesentlichen auf das Wiederkäuen bereits bekannter Szenen. "Alien: Covenant" fehlen die Neugierde und die Faszination für das Unbekannte, welche die Vorgänger einst zu einem stilbildenden Mythos machten.

"Alien: Covenant" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Sonntag 21 Mai 2017 um 23:31 von Roland Freist

Bearbeitet: Montag 22 Mai 2017 21:29

blog comments powered by Disqus

« Filmkritik: "Guardians of the Galaxy Vol. 2" | Zurück nach oben | Die besten Zuordnungen von OnlineTvRecoder »

Impressum/Kontakt