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Filmkritik: "Rogue One"

"Star Wars" für Erwachsene

In einer der ersten Szenen des Films sieht man die Ringe eines Planeten, vergleichbar denen des Saturn. Sie leuchten im Licht eines unbekannten Sterns, scheinen jedoch an einer Stelle abrupt abzubrechen, und man fragt sich, wie das sein kann. Erst als sich die Kamera bewegt, wird klar, dass der Rest der Ringe im harten Schatten des Planeten liegt, wo er nicht zu erkennen ist. Später gibt es eine Einstellung, in der einer der riesigen Sternenzerstörer des Imperiums aus dem tiefen Dunkel des Alls ebenfalls in das gleißende Licht eines Sterns eintritt, es sieht aus, als tauche er aus dem Nichts auf. Je weiter der Film voranschreitet, desto deutlicher wird, dass eines der Hauptmotive von "Rogue One" das Spiel mit Hell und Dunkel, Licht und Schatten ist. Und das ist durchaus metaphorisch gemeint.

Regisseur Gareth Edwards ("Monsters", "Godzilla") hatte einen schwierigen Auftrag übernommen. Er sollte die Geschichte zwischen dem Ende der Episode 3 von "Star Wars" und dem Beginn von "Episode 4: A New Hope" erzählen, ein Zeitraum, bei dem es noch viele offene Fragen zu klären galt. Seine Gestaltungsspielräume waren dabei ziemlich eng, denn man wusste ja bereits im Voraus, wie die Handlung ausgehen würde: Den Rebellen würde es gelingen, die Pläne des Todessterns zu stehlen, das Imperium wiederum hatte den Stern schon fertiggestellt. Auch viele Charaktere waren bereits bekannt. Und schließlich dürfte auch Disney einige Vorgaben gemacht haben, um den Film besser vermarkten zu können. So musste es wohl auf jeden Fall einen kauzigen Droiden mit hohem Wiedererkennungswert geben, den man dann als Actionfigur etc. in die Läden bringen konnte.

Man muss sagen, dass Edwards das Beste aus diesem Stoff gemacht hat. Er hat erkannt, dass die Ausgangssituation auch die Chance bietet, ein paar Sachen anders zu machen als seine Vorgänger bei der Star-Wars-Saga. "Rogue One" beschreibt letztlich eine Nebenhandlung, lässt Figuren auftreten, von denen man bis dahin nie etwas gehört hatte. Das gibt dem Regisseur gewisse Freiheiten. Und so ist ein Film entstanden, deutlich dunkler und düsterer als die anderen Teile, was nicht nur – aber auch – an der vermaledeiten 3D-Technik liegt, bei der die Brillen die Bilder mit einem grauen Film überziehen. Der Film spielt mit Hell und Dunkel, Gut und Böse. Hier herrscht ein schmutziger Krieg, und da geht es nicht mehr um Moral, sondern nur noch darum, zu gewinnen. "Rogue One" ist der erste Film der Reihe, der sich hauptsächlich an Erwachsene richtet.

Die Hauptperson heißt Jyn Erso (Felicity Jones) und ist die Tochter des Wissenschaftlers Galen Erso (Mads Mikkelsen, "Hannibal"), den das Imperium zum Bau des Todessterns gezwungen hat. Am Anfang sehen wir sie noch als kleines Kind, das Zeuge wird, wie Soldaten ihre Mutter erschießen. Doch dann taucht sie bereits als ausgewachsene Frau wieder auf der Leinwand auf, deutlich erfahrener und selbstbewusster als es Luke Skywalker und Rey bei ihren ersten Auftritten waren. Zusammen mit dem Rebellen Cassian Andor (Diego Luna, "Elysium") und dem sarkastischen Droiden K-2SO zieht sie los, ihren Vater zu befreien. Der Plan geht schief, und die Rebellenallianz ist nahe dran aufzugeben. Doch dann machen sich Jyn, Cassian und der Droide zusammen mit einem kleinen Team auf, die Pläne für den Todesstern aus dem zentralen Datenspeicher des Imperiums zu entwenden.

Die Schlacht um den Speicher, ein riesiges, zackenförmig aufragendes Gebäude, ist der Höhepunkt des Films und wird in epischer Breite geschildert. Edwards lässt hier alles auffahren, was die moderne CGI-Technik zu bieten hat, aber er übertreibt es nicht. Der Regisseur behält jederzeit die Übersicht, nichts wirkt aufgesetzt oder gestellt. Wie schon in "Godzilla" gelingen ihm dabei eindrucksvolle Bilder. Der Rhythmus ist schneller als bei den früheren Star-Wars-Filmen, auch in diesem Punkt hebt "Rogue One" sich ab. Dies ist über weite Strecken ein Kriegsfilm, und da gelten andere Regeln.

Die Charaktere bleiben weitgehend blass, man lernt sie kaum kennen. Das ist schade, denn man hätte gerne mehr über ihre Geschichten gewusst. So bleiben es Randfiguren beim epischen Kampf des Guten gegen das Böse, an die sich später niemand mehr erinnern wird. Das verleiht dem Film letztlich eine gewisse Melancholie, die ihn insgesamt betrachtet noch etwas sympathischer macht.

Dennoch muss man betonen, dass "Rogue One" in erster Linie ein Film für Nerds ist. Er hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern setzt die Kenntnis der Star-Wars-Saga einfach voraus. Das erspart dem Fan langwierige Nacherzählungen, verhindert allerdings, dass Newbies der Handlung tatsächlich folgen können. Und natürlich verstehen sie die zahlreichen Anspielungen auf die anderen Filme nicht und können sich auch nicht über die Auftritte von Prinzessin Leia, Darth Vader und Grand Moff Tarkin freuen, die dank moderner Technik wieder so aussehen wie die Originalschauspieler in den 70er Jahren. Der Film ist eine Ergänzung der Storyline, die sich durch die Star-Wars-Filme zieht, und spielt daher eine Sonderrolle. Er ist kein Meisterwerk, aber dank seiner Eigenständigkeit durchaus interessant. Und für die Fans ist er sowieso ein Muss.

"Rogue One" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 20 Dezember 2016 um 23:08 von Roland Freist

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