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Filmkritik: "Elysium"

Wheel in the Sky

Nach "Oblivion" und "After Earth" kommt dieses Jahr nun schon die dritte düstere Zukunftsvision in die Kinos: Im Jahr 2156 ist die Erde durch Kriege und Umweltkatastropehn verwüstet, die Luft ist stark verschmutzt. "Elysium" zeigt uns die Überreste von Los Angeles: einen gigantischen Slum, dessen Bewohner größtenteils arbeitslos sind. Einer der wenigen, die einen Job haben, ist Max (Matt Damon), ein ehemaliger Autodieb. Eines Tages wird er bei einem Arbeitsunfall in seiner Fabrik radioaktiv verstrahlt und erfährt, dass er nur noch fünf Tage zu leben hat. Auf der Erde ist keine Heilung möglich, aber es gibt ja noch Elysium.

Elysium ist ein riesiges Rad, das sich einige Hundert Kilometer über der Erde dreht und den Reichen als neues Zuhause dient. Dort gibt es saubere Luft, gepflegte Gärten, prächtige Häuser und unter anderem auch sonnenbankähnliche Maschinen, die jede Krankheit in Sekundenschnelle heilen können. Die Konstruktion dieses Ghettos für die Reichen erinnert stark an die Ringwelt im gleichnamigen Science-Fiction-Roman von Larry Niven, ohne allerdings deren Ausmaße zu erreichen. Elysium hat eine Verteidigungsministerin namens Delacourt (Jodie Foster), deren vorrangige Aufgabe darin besteht, die Welt vor Flüchtlingen von der Erde zu schützen. Aber sie will mehr, sie will Präsidentin werden. Um dieses Ziel zu erreichen, organisiert sie mithilfe des Industriellen John Carlyle (William Fichtner) einen Putsch. Doch dann gerät Carlyle in die Hände einer Gruppe von Kriminellen auf der Erde. Sie übertragen die Daten des Staatsstreichs in das Gehirn von Max und rüsten ihn mit einem mechanischen Exoskelett aus, das seine Kräfte verstärkt. Mit diieser Ausrüstung will er sich nach Elysium durchschlagen, wo er seine Krankheit heilen und die Tore dieser Welt für die gesamte Menschheit öffnen will.

Das ist allerdings bei weitem noch nicht die gesamte Handlung. Es gibt noch einen zweiten Faden mit einer Jugendfreundin von Max, gespielt von Alice Braga, und ihrer kleinen, an Leukämie erkrankten Tochter. In einer zweiten Nebenlinie taucht ein Mann namens Kruger auf (Sharlto Copley), der zusammen mit seinen Leuten auf der Erde die Drecksarbeit für Ministerin Delacourt erledigt. Je länger der Film dauert, desto mehr vermischen sich die Handlungsstränge und desto unübersichtlicher werden die Kausalzusammenhänge.

Regisseur Neill Blomkamp ("District 9") beschreibt in "Elysium" eine zwiegespaltene Welt, in der eine reiche Minderheit oben im Himmel in einem Paradies lebt und die arme Mehrheit unten auf der Erde in einem überhitzten und verdreckten Slum, wo es keine Perspektive gibt und die medizinischen Versorgung unzureichend ist. Vergleiche mit dem gewaltigen Gefälle zwischen den reichen Industrienationen auf der Nordhalbkugel und den armen Ländern im Süden drängen sich auf. Man sieht wieder die Bilder von den aneinander gedrängten Menschen in den Flüchtlingsschiffen vor Lampedusa vor sich oder auch von den verzweifelten Gestalten, die versuchen, die Grenzbefestigungen zwischen Mexiko und den USA zu überwinden.

Diese Problematik der Kluft zwischen Arm und Reich und was sie für die Menschen bedeutet zum Thema eines Science-Fiction-Films zu machen, ist zunächst einmal lobenswert. Zudem nimmt "Elysium" sein Publikum ernst und gibt ihm, was es haben will – Spannung, packend inszenierte Actionszenen, Hightech-Waffen und -Fluggeräte sowie einige gern gesehene Schauspieler in den Hauptrollen. Matt Damon mit seinem muskelbepackten Körper ist prädestiniert für solche Einzelkämpfer-Rollen, auch wenn er als Jason Bourne überzeugender war. William Fichtner spielt effizient, wie er es immer tut, und kann sich mittlerweile auf seinen hohen Wiedererkennungswert verlassen. Leider bleibt Jodie Foster verhältnismäßig blass, die Rolle scheint nicht zu ihr zu passen. Hinzu kommt ihre deutsche Synchronstimme, die sie noch mehr wie ein Fremdkörper wirken lässt.

Je länger der Film allerdings dauert, desto mehr hat man den Eindruck, dass Logik und Plausibilität geopfert werden, um zu einer bestimmten Schlusskonstellation zu gelangen. Es ist, als habe von vornherein festgestanden, wie "Elysium" einfach enden MUSS. Denn nur wenn er ein vordefiniertes Ende erreicht, ist die Botschaft verständlich, die der Regisseur seinem Publikum vermitteln will. Um zu diesem Ziel zu gelangen, wirft Blomkamp kurzerhand sämtliche Logik über Bord, die dabei im Wege stehen könnte. Und da der Film, wie bereits erwähnt, mehrere Handlungsebenen enthält, ist es eine ganze Menge Logik, die hier mit einem Fingerschnippen beiseite geräumt wird.

Man kann sich "Elysium" einfach nur als Science-Fiction- beziehungsweise Action-Film anschauen. So funktioniert er gut, denn man erwartet von solchen Filmen ohnehin nicht, dass jedes Detail logisch stimmig ist. Und technisch ist er ohne Tadel, mit sauber ausgearbeiteten Special Effects und etlichen eindrucksvollen Bildern. Doch wenn man die Einladung zum Nachdenken annimmt, fällt einem auf, was hier vor allem in den letzten 30 Minuten alles nicht stimmt.

"Elysium" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 20 August 2013 um 23:29 von Roland Freist

Bearbeitet: Dienstag 20 Dezember 2016 23:43

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