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Filmkritik: "Godzilla (2014)"

Godzilla ist wieder da

Godzilla ist mehr als ein Film oder ein Monster, es ist ein Mythos. Die Geschichte der Riesenechse, die durch Atomtests geweckt wird und anschließend vornehmlich japanische Städte in Schutt und Asche legt, ist fester Bestandteil der Popkultur des 20. Jahrhunderts. Die Wandlung von Godzilla von einer Bedrohung hin zu einem Beschützer Japans vor immer neuen Bestien, ist immer wieder als Reaktion auf die Atombomben-Abwürfe über Hiroshima und Nagasaki interpretiert worden. Insofern war der Godzilla von Roland Emmerich im Jahr 1998 einigermaßen respektlos, was die Tradition der Filme angeht, die Fans waren entsetzt. Die neue Verfilmung von Gareth Edwards hingegen zeigt wieder viel Respekt für die lange Tradition des Stoffes.

Der Regisseur hatte sich bereits vor vier Jahren in seinem Film "Monsters" mit vermeintlichen Untieren beschäftigt. Das Hauptmotiv war damals bereits das gleiche wie heute bei "Godzilla": Gegen die Kräfte der Natur kann der Mensch nicht gewinnen. Deutlich wird das an zwei Aspekten, auf die Edwards in seiner Godzilla-Version erkennbar besonderen Wert legt: 1. Das Monster ist riesig. Er ist so riesengroß und stark, dass ihm menschliche Waffen nichts anhaben können. 2. Godzilla beschützt die Menschheit vor anderen saurierähnlichen Wesen, da sie selber dazu nicht in der Lage ist.

In diesem Fall werden sie MUTOs genannt, Massive Unidentified Terrestrial Organisms, und sie weisen eine deutliche Ähnlichkeit mit Flugsauriern auf. Anders als diese Urzeitmonster ernähren sie sich jedoch von radioaktiver Strahlung und verwandeln sie im Notfall in einen EMP, einen elektromagnetischen Impuls, der sämtliche elektrischen Geräte in weitem Umkreis lahmlegt. Wie ihnen das evolutionär weitergeholfen hat, bleibt unklar. Ihr Heißhunger auf Strahlung bildet zumindest die Grundlage für einige witzige Szenen, in denen man die Saurier beim Naschen von atomaren Gefechtsköpfen beobachten kann. Außerdem frisst einer von ihnen große Teile eines atomaren Endlagers leer und man überlegt sich, ob das nicht die Lösung für einige drängende Probleme der deutschen Energiewirtschaft sein könnte.

Andrews kennt die Regeln für die Gestaltung von Godzilla, und er befolgt sie. So ist die Hauptfigur bei ihm wieder eine echte Echse mit einer Vorliebe fürs offene Meer, mit einem stacheligen Rückenpanzer und einem Plasmastrahl als Waffe. Und auch der berühmte Schrei ist wieder da, dieses heisere Heulen aus tiefster Monsterkehle.

Die Story dieser Neuverfilmung basiert leider auf einem der schwächsten und verworrensten Drehbücher, die in den letzten Monaten auf die Leinwand kamen. Die beiden bekanntesten Darsteller, Bryan Cranston ("Breaking Bad") und Juliette Binoche ("Der englische Patient"), die seine Frau spielt, müssen bereits in der ersten Hälfte des Films sterben. Übrig bleibt ihr Sohn Ford Brody (Aaron Taylor-Johnson), der im Verlauf des Films die unheimliche und wenig glaubhafte Fähigkeit entwickelt, jegliche Katastrophe entweder als einziger oder zumindest als Mitglied einer kleiner Gruppe zu überleben. Züge mit Hunderten von Menschen stürzen von Brücken, Boote werden von den MUTOs angegriffen, Passanten werden von zusammenbrechenden Hochhäusern begraben – Ford Brody steht immer wieder auf. Währenddessen sieht man seine schöne Frau Elle (Elizabeth Olsen) die meiste Zeit mit besorgtem Gesichtsausdruck durch die Straßen von San Francisco laufen. Ken Watanabe ("Last Samurai", "Inception"), ein sehr guter und effizienter Schauspieler, muss hingegen einen Wissenschaftler mimen, der ständig von allen Seiten um Rat gefragt wird, ohne jedoch nur einen einzigen wertvollen Hinweis geben zu können. In einer Szene schließt er aus dem Fehlen von Flügeln bei einem der MUTOs messerscharf, dass dies das Weibchen sein müsse.

Große Teile der Handlung sind einfach Unsinn. Die Zahl der logischen Brüche entspricht in etwa der Zahl der Brücken, die in den zwei Stunden Laufzeit umgestoßen, in der Mitte auseinandergerissen und durchtrennt werden.

Der Grund, weshalb man sich diesen Film dennoch anschauen kann, liegt bei den Bildern. Es gibt einige beeindruckende Szenen, in denen die riesige Gestalt von Godzilla aus der Dunkelheit hervortritt wie ein gigantisches Unheil, das über die Stadt kommt. Auch die Bilder von den Fallschirmspringern, die mit ihren roten Signalfackeln aus einem giftigen, gelb-braunen Himmel herabfallen, sind atemberaubend. Gut gemacht sind auch die Lichter von fernen Feuern, wo Panzer und Soldaten einen aussichtslosen Kampf gegen MUTOs führen.

"Godzilla" ist etwas für Liebhaber. Die Vorgeschichte von Ford Brodys Eltern ist zu lang, die Geschichte bewegt sich ähnlich langsam voran wie die Monster, viele Figuren und Nebenhandlungen sind überflüssig, die Story hat mehr Löcher als ein Hochhaus nach einer Begegnung mit dem Schwanz des Riesenreptils. Echten Godzilla-Fans ist das egal. Und für alle anderen hält der Film einige wirklich tolle CGI-Bilder bereit.

"Godzilla (2014)" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Sonntag 18 Mai 2014 um 23:02 von Roland Freist

Bearbeitet: Freitag 04 Juli 2014 11:42

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