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Filmkritik: "Independence Day: Wiederkehr"

Noch mehr Hubraum

"Hubraum ist nur durch eins zu ersetzen – noch mehr Hubraum." Dieser Satz, normalerweise geäußert von Liebhabern amerikanischer Wagen mit Motoren, die eher Schiffsdieseln gleichen als herkömmlichen Benzinern, könnte auch als Motto über "Independence Day: Wiederkehr" stehen. Denn die zentrale Handlungsidee der Fortsetzung des Emmerich-Films von 1996, einem der erfolgreichsten Blockbuster aller Zeiten, ist die Rückkehr der Aliens in einem Schiff, das sich neben den fliegenden Kuchenplatten aus Teil 1 ausnimmt wie ein Chevy Impala neben einem Smart. ("Es wird auf dem Ozean landen!" "Wo genau?" "Auf dem ganzen Ozean.")

Ansonsten reiht der Film vor allem Versatzstücke des Originals aneinander, die dort gut funktioniert haben. Die spektakuläre Zerstörung von New York und dem Weißen Haus, die patriotischen Durchhalteparolen des Präsidenten, Dr. Brakish Okun (Brent Spiner) in seinem unterirdischen Alien-Labor, David Levinson (Jeff Goldblum) und sein Vater Julius (Judd Hirsch) – alles ist wieder da. Das muss nichts Schlechtes sein: J. J. Abrams hat bei "Star Wars: Das Erwachen der Macht" ebenfalls über weite Strecken einfach noch einmal die Handlung von "Episode 4" wiederholt, und es ist dennoch ein guter Film geworden. Doch der Respekt vor dem Mythos und die Liebe zu den Figuren, die dort in jeder Einstellung spürbar waren, fehlen dem neuen "Independence Day" völlig.

Dabei ist die Grundidee nicht einmal schlecht: Nach dem Sieg über die Aliens aus Teil 1 haben die Menschen ein Notsignal übersehen, das eines der abgestürzten Raumschiffe aussendet. Blöd gelaufen, denn plötzlich steht ein neues Mutterschiff vor der Tür, an Bord eine Alien-Königin, bedeutend größer und stärker als das bereits bekannte Fußvolk – James Camerons "Aliens: Die Rückkehr" lässt grüßen. Und natürlich will sie Rache. So weit, so gut. Doch dann erfolgt der Auftritt eines neuen Außerirdischen, einer wasserballgroßen weißen Kugel, die sprechen und sich mit weißen Nebeln umgeben kann und ansonsten fatal an den lustigen, kleinen Außerirdischen aus John Carpenters "Dark Star" erinnert. Er verrät den Menschen, die ihn zuvor abgeschossen hatten, dass die bösen Aliens seine Feinde und zudem derzeit in Begriff seien, den Erdmantel anzubohren, um die Energie aus dem Inneren abzusaugen. Außerdem stellt sich heraus, dass die Original-Aliens Angst vor ihm haben, da seine Rasse über Waffentechnologie verfügt, um sie zu vernichten. Warum er dann trotzdem der letzte seiner Art ist, bleibt ein wenig im Dunkeln. Egal: Wenn die Menschen ihn gegen die bösen Aliens und ihre Königin beschützen, wird er ihnen später im Kampf gegen sie helfen. Deal.

Ich muss zugeben, ich mochte den ersten "Independence Day". Das war keine große Kinokunst, aber die DVD eignete sich gut für warme Sommerabende, wenn man zu müde war, um etwas Anspruchsvolles zu sehen oder zu lesen. Der Film erforderte kein Nachdenken, es kam keine große Spannung auf, aber man konnte der Handlung einfach folgen, die Figuren waren sympathisch und es gab einige schöne Special Effects. Der neue Film wirkt dagegen nur kalt kalkuliert und steril, daran können auch die guten Schauspieler nichts ändern. Will Smith, der nicht mehr dabei ist und dessen Captain Steven Hiller für tot erklärt wird, hätte dem Film vermutlich gutgetan, aber das Elend wohl dennoch nicht verhindern können. Die neue Hauptfigur, der Kampfpilot Jake Morrison, gespielt von Liam Hemsworth ("Die Tribute von Panem"), ist genauso aalglatt wie der Rest des Films. Jeff Goldblum, Judd Hirsch, Bill Pullman (als vollbärtiger Ex-Präsident), William Fichtner und Charlotte Gainsbourg dagegen können sich auf ihre Routine verlassen, die verhindert, dass sie selbst in einem solchen Film schlecht aussehen.

"Independence Day: Wiederkehr" setzt darauf, dass die Zuschauer aus den 90er Jahren aus nostalgischen Gründen eine Fortsetzung des Originals sehen wollen. Doch was zum Schluss bleibt, ist nur Ernüchterung.

"Independence Day: Wiederkehr" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Montag 18 Juli 2016 um 22:30 von Roland Freist

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