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Filmkritik: "Sicario 2"

Menschen statt Kokain

Der erste "Sicario"-Film des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve war brillant, wie übrigens alle seine Filme aus den letzten Jahren. Eine junge FBI-Agentin, gespielt von Emily Blunt, kommt zu einer geheimen Kommandoeinheit, die an der mexikanischen Grenze Jagd auf Drogenbarone machen soll. Staunend und mit immer größerem Entsetzen erkennt sie, dass sie bei einem Killerkommando gelandet ist, das sich um Gesetze und Moral schon lange nicht mehr schert.

"Sicario 2" konnte nach diesem furiosen Auftakt fast nur schlechter werden, zumal Villeneuve den Regiestuhl aus Zeitgründen an den Italiener Stefano Sollima abgeben musste. Doch die Fallhöhe ist nur sehr gering, man kann sich den Film durchaus ansehen.

Eins fällt jedoch sofort auf, und das ist dann auch gleich der größte Mangel des Streifens: Anstatt die Geschichte aus dem Blickwinkel einer Außenstehenden zu erzählen, so dass der wahre Charakter der Einsätze erst nach und nach offenbart wird, macht "Sicario 2" von vornherein kein Geheimnis daraus, um was er hier geht, nämlich um einen brutalen Krieg gegen die Drogenkartelle. Sie haben allerdings mittlerweile auf Menschenschmuggel umgesattelt, was angeblich lukrativer ist. Matt Graver (Josh Brolin) wird vom Verteidigungsminister (Matthew Modine) beauftragt, die Tochter eines Drogenbarons zu entführen und es wie die Tat eines Konkurrenten aussehen zu lassen. Auf diese Weise soll ein Krieg zwischen den Kartellen provoziert werden, was, so hoffen es zumindest das Verteidigungsministerium und die Terrorabwehr, die Kräfte der Kriminellen schwächt und die USA im Grenzgebiet wieder die Überhand gewinnen lässt.

Graver holt wieder seinen alten Kumpel Alejandro (Benicio del Toro) mit an Bord, und zusammen bekommen sie auch die Tochter des Drogenkartellbosses Carlos Reyes zu fassen. Wie nicht anders zu erwarten, geht danach jedoch etwas schief, und die Dinge nehmen eine düstere und äußerst blutige Wendung.

"Sicario 2" ist wesentlich zynischer und illusionsloser als der erste Teil, was in erster Linie daran liegt, dass die Hauptperson nicht mehr eine junge, idealistische Agentin ist. Stattdessen sind die Protagonisten Graver und Alejandro nur noch zwei alte Soldaten, wobei nur noch bei Alejandro ansatzweise erkennbar ist, warum er sich diesem Krieg angeschlossen hat – schon aus dem ersten Film wissen wir, dass die Kartelle seine Familie ermordet haben. Auch die Gewaltdarstellungen haben die artifizielle Spannung des ersten Teils verloren, stattdessen zeigt Regisseur Sollima harte, brutale Feuergefechte und Hinrichtungen. Am Schluss bleiben etliche Fragen offen, Handlungsfäden flattern lose herum. Es soll wohl einen dritten Teil geben, dem ich zwar nicht gerade freudig entgegensehe, den ich mir aber dennoch ansehen werde.

"Sicario 2" in der IMDB

Der deuitsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 24 Juli 2018 um 22:13 von Roland Freist

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