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Filmkritk: "Bridge of Spies: Der Unterhändler"

Aufmarsch an der Glienicker Brücke

"Bridge of Spies" ist der beste Spielberg-Film seit vielen Jahren, meiner Ansicht nach seit "München", und der kam bereits 2005 auf die Leinwand. Es ist ein Alterswerk, langsam und nachdenklich, aber dennoch voller Spannung und zudem toll gespielt.

Spielberg arbeitet hier mal wieder mit Tom Hanks zusammen, der dieses Mal die Rolle des Rechtsanwalts James B. Donovan einnimmt. Er soll den Sowjetspion Rudolf Abel (Mark Rylance) verteidigen, der in einer eindrucksvollen Eingangssequenz gerade vom FBI festgenommen wurde. Wir schreiben das Jahr 1957, und der Kalte Krieg ist in vollem Gange. Donovan ist eigentlich spezialisiert auf Versicherungsrecht, und es bleibt etwas im Unklaren, wie man ausgerechnet auf ihn gekommen ist. Doch auf Bitten seines Kollegen (Alan Alda) übernimmt er den Fall.

Abel ist ein großer Fisch, vermutlich ein KGB-Oberst, und ein absoluter Profi. Er verrät kein Wort über seine Aufgaben, seine Erfolge, nicht einmal wo er herkommt erfahren die CIA-Agenten, die ihn befragen. Doch es ist offensichtlich, dass er ein Spion ist. Donovan beginnt sich für ihn zu interessieren, und er ist zudem der Auffassung, dass jeder Mensch das Recht auf eine angemessene Verteidigung hat. Also gibt er vor Gericht sein Bestes. Zwar bekommt er Abel nicht frei, doch er kann verhindern, dass er zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wird.

Gleichzeitig wird in einer Parallelhandlung einigen amerikanischen Militärpiloten ein neuer Flugzeugtyp vorgestellt, die U2. Sie kann bis auf eine Höhe von 70.000 Fuß steigen (etwa 21.000 Meter) und hat hochauflösende Kameras an Bord, mit denen sich Panorama-Aufnahmen des überflogenen Gebiets machen lassen. Die Air Force glaubt, dass die U2 das perfekte Aufklärungsflugzeug zum Ausspionieren der Sowjetunion ist, da sie in dieser Höhe nicht entdeckt werden kann. Dennoch werden die Piloten angewiesen, bei einem Defekt oder Abschuss das Flugzeug in die Luft zu sprengen und sich selbst mit einer vergifteten Nadel umzubringen. Doch als dann tatsächlich eine Maschine von einer Rakete getroffen wird, katapultiert sich der junge Pilot Gary Powers (Austin Stowell) mit dem Schleudersitz hinaus und wird von den Russen gefangen genommen.

Mittlerweile schreibt man das Jahr 1961. In einer weiteren Nebenhandlung wird der amerikanische Student Frederic Pryor (Will Rogers) am Tag des Mauerbaus in Ostberlin verhaftet. Donovan wird von der CIA gebeten, nach Ostberlin zu fliegen und mit der Sowjetunion über einen Austausch von Abel gegen Powers zu verhandeln. Als er von Pryor hört, beschließt er, auch ihn freizubekommen. Als Verhandlungsführer der DDR sitzt ihm dabei der Ostberliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel (Sebastian Koch) gegenüber.

Der zentrale Satz des Films lautet "Jeder Mensch ist wichtig", und Donovan sagt ihn zwei Mal. Einmal als Begründung, warum er Abel mit allen Mitteln seiner Kunst verteidigen will, beim zweiten Mal rechtfertigt er damit seine Bemühungen um die Freilassung von Pryor, der der CIA eigentlich egal ist. Der Satz hält den Film zusammen, der ansonsten in zwei Teile zerfallen würde, nämlich die Geschichte der Verteidigung von Abel und die Verhandlungen mit der UdSSR und der DDR in Ostberlin. Interessanterweise sind die Verhandlungen rund um Rudolf Abel der deutlich spannendere Teil. Zum einen, weil es um das Recht geht, um den Rechtsstaat und darum, dass es die Verfassung ist, welche das Einzige ist, was die USA von den Gegnern jenseits des Eisernen Vorhangs unterscheidet, wie Donovan einem CIA-Agenten erklärt. Zum anderen aber auch, weil Mark Rylance diesen völlig emotions- und illusionslosen Sowjetagenten großartig spielt. Rudolf Abel ist dank ihm die bestimmende Rolle dieses Films, in jeder Szene, in der er zu sehen ist, richten sich die Augen automatisch auf ihn. Tom Hanks ist gut wie immer, Scott Shepherd gibt einen überzeugenden CIA-Agenten ab. Und auch Amy Ryan als Donovans Frau macht ihre Sache gut. Das Drehbuch stammt übrigens zu großen Teilen von den Coen-Brüdern, die auf ihre üblichen skurrilen Einfälle dieses Mal jedoch verzichtet haben.

"Bridge of Spies" vermischt Elemente des Justizdramas mit denen des Agententhrillers. Das könnte tatsächlich ein Problem sein, wenn es da nicht diese Meta-Ebene gäbe. Jeder Mensch ist wichtig.

"Bridge of Spies" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Donnerstag 03 Dezember 2015 um 23:26 von Roland Freist

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