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Filmkritik: "The Raid: Redemption"

Story? Welche Story?

Die Chefetage ist immer ganz oben. So auch hier in "The Raid". Es geht um ein heruntergekommenes Hochhaus, irgendwo in einer pazifisch-asiatischen Großstadt, Näheres erfährt man nicht. Oben, im 15. Stock, wohnt ein Drogenboss und betreibt dort ein Labor. Unten steht eine Spezialeinheit der Polizei und will den Mann aus dem Verkehr ziehen. Gefangene sollen nach dem ausdrücklichen Willen ihres weißhaarigen Sergeants (der in manchen Einstellungen dem Comedian Steve Martin irritierend ähnlich sieht) nicht gemacht werden. Bis zum fünften Stock geht alles gut. Dann, im sechsten Stock, wird die Truppe entdeckt. Es beginnt ein Kampf mit automatischen Waffen, die jedoch schon schnell durch Macheten und blanke Fäuste ersetzt werden. Schon bald ist nur noch ein kleiner Trupp Polizisten übrig, der verzweifelt um sein Leben kämpft. Ihre stärkste Waffe ist Rama (Iko Uwais), der einen Bösen nach dem anderen niederstreckt. Aber allein hat auch er kaum eine Chance gegen die immer neuen, nachrückenden Gegner.

Die Story des Films, wenn man denn überhaupt von einer sprechen kann, ist simpel. Von den Charakteren erfahren wir so gut wie nichts. Rama hat eine schwangere Frau, ist stolz auf seinen Beruf und lässt sich nicht bestechen. Zweifellos ein Held. Die Bösen sind einfach nur Söldner und Hausbewohner, die zur anderen Seite gehören.

Was "The Raid" vorführt, ist Kampf und Gewalt, nackte, brutale Gewalt. Der Film balanciert knapp am Splatter vorbei, blendet die blutigsten Szenen erst im allerletzten Moment aus, die Köpfe, die an die Mauern geschlagen werden, die mit Messern und Macheten zerstückelten Körper. Ohne Story und ohne Figuren, für die man irgendein Interesse aufbringt, könnte das sehr schnell langweilig werden. Doch die Kameraführung und die Kampfszenen verhindern das.

Der Film besitzt eine unglaubliche Kraft und Energie. Die sehnigen Körper der Kämpfer springen bei ihren Schlägen wie Stahlfedern auseinander. Die Choreographie ist hart, schonungslos und präzise, die Handkamera kreist um die Darsteller, um nur ja jede Bewegung einzufangen, jeden Faustschlag und jeden Tritt, jeden Hebelgriff und jede Beinschere. Die Schläge und Griffe wechseln sich mit einer ungeheuren Geschwindigkeit ab. Anders als bei vielen anderen Martial-Arts-Filmen, bei denen die Kämpfe von einem Metronom gesteuert zu sein scheinen, sieht man in "The Raid" wilde Tänze, die vor Ideen schier explodieren.

"The Raid" ist martialisch und gewaltverherrlichend. Mit seiner groben Körnung, den dunklen Bildern und scharfen Kontrasten erinnert er an Cop-Filme aus den 60er und 70er Jahren. Frauen spielen in dieser Welt keine Rolle, die Hauptfiguren leisten sich keinerlei Schwächen. In seiner Härte und Kompromisslosigkeit ist er gleichermaßen abstoßend und faszinierend. "The Raid" gehört zu der Sorte von Filmen, die kaum einer gesehen hat, und die dennoch oder vielleicht gerade deshalb nach einigen Jahren als Kult gehandelt werden.

"The Raid: Redemption" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Freitag 13 Juli 2012 um 22:45 von Roland Freist

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