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Filmkritik: "Die Mumie (2017)"

Hätte man sie doch bloß nicht wiederbelebt

Mumien sind seit jeher beliebte Elemente des klassischen Horrorfilms, was wohl vor allem damit zu tun hat, dass bereits die Vorstellung, wie die Leiche unter den ganzen Mullbinden wohl aussehen mag, ein leichtes Gruselgefühl hervorruft. Wenn die in Jahrtausenden vertrockneten Körper dann noch aufstehen und die Lebenden mit allerlei altägyptischem Zauber bedrohen, hat man alle Zutaten für einen gelungenen Grusel beisammen. Eigentlich sollte dann nicht mehr viel schiefgehen können. Kann es aber doch, wie die 2017er Version von "Die Mumie" beweist.

Wohl jeder kennt die 1999er Version mit Brendan Fraser als zwielichtigem Grabräuber im Ägypten der 20er Jahre. "Die Mumie" von 2017 nun verlegt die Handlung in die Gegenwart und setzt auf die beiden Superstars Tom Cruise und Russell Crowe. Cruise spielt den amerikanischen GI Nick Morton, der während des Irakkriegs ausbüxt, um in der Wüste einen sagenhaften Schatz zu suchen. Zusammen mit seinem Kumpel Chris (Jake Johnson) und der hübschen Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) stößt er tatsächlich auf eine Grabhöhle mit einem stark geschützten Sarkophag, der daraufhin nach London überführt wird. Warum Amerikaner ein archäologisches Fundstück nach England bringen, wird übrigens nicht weiter erklärt.

Wie auch immer: Der Sarkophag dient natürlich als Gefängnis für eine Mumie, in diesem Fall die Überreste einer ägyptischen Prinzessin namens Ahmanet (Sofia Boutella). Sie sollte ehemals als älteste Tochter des Pharaos das ägyptische Reich erben, was aber quasi in letzter Minute nicht klappte, woraufhin sie sich mit dem Gott Seth einließ und ihren Vater, dessen Frau und ihren gemeinsamen Sohn ermordete. Nachdem nun Nick ihre Fesseln gesprengt hat, macht sie sich auf zur Weltherrschaft. Dabei soll ihr Nick zur Seite stehen, der, man weiß nicht, wie's dazu kam, Ahmanets alten Verbündeten Seth in sich trägt. Er macht sich immer mal wieder durch Visionen aus dem alten Ägypten bemerkbar und steuert zeitweise auch Nicks Willen.

Diese Story hört sich nicht nur in der Nacherzählung dröge an, auch die Filmhandlung ist eher langweilig. Die Macher waren daher so klug, der Handlung keine größere Aufmerksamkeit zu schenken und sich voll und ganz auf die Horroreffekte zu konzentrieren. Hier liegen eindeutig die Stärken des Films, man spürt die Hollywood-Routine beim Aufbau der Buh-Effekte, wenn etwa die Protagonisten langsam auf einen Raum zugehen und plötzlich irgendwelche Monster oder Waffen ins Bild schießen. So gesehen erfüllt dieser Film seinen Daseinszweck, denn er ist gut geeignet für Teenager, die zusammen mit Freund oder Freundin ins Kino gehen und sich in Schreckmomenten aneinander kuscheln wollen. Ein typische Sommer-Blockbuster also.

Über die Handlung darf man sich freilich keine Gedanken machen. In London etwa taucht ohne ersichtlichen Grund der von Russell Crowe gespielte Dr. Jekyll auf, vielleicht weil dem Filmstudio ein Monster pro Film zu wenig war. Doch gerade als ich mich auf den Kampf zwischen Mumie und dem bösen Mr. Hyde zu freuen begann, war er auch schon wieder verschwunden und ward bis zum Ende des Films nicht mehr gesehen. Die Dialoge sind auf ähnlichem Niveau, Wortwechsel wie "Du hast seine Frau und ihr Kind getötet." "Das waren andere Zeiten damals." sind keine Seltenheit.

Immerhin macht Russell Crowe seine Sache noch recht gut. Das Gleiche kann man nicht über Tom Cruise sagen, der sich offensichtlich entschlossen hatte, eine Art Indy ohne den Professor-Jones-Überbau zu mimen. Das ist ihm weitgehend misslungen, sein Nick Morton ist einfach nur ein Hampelmann ohne jeden Charme. Angeblich hatte Nick bereits vor dem Eintreffen im Irak eine Affäre mit Jenny Halsey, was angesichts der Charaktere völlig ausgeschlossen erscheint. Die beiden Frauen übrigens, sowohl Annabelle Wallis wie auch die gebürtige Algerierin Sofia Boutella, erbringen zwar keine Meisterleistungen, agieren jedoch zumindest solide und ohne größere Ausrutscher.

Der 1999er Mumienfilm besaß Witz, Charme, eine nachvollziehbare Handlung und als glaubwürdiges Motiv eine sich über die Jahrtausende erstreckende Liebesgeschichte. Hinzu kamen einige für die damalige Zeit spektakuläre CGI-Effekte. Der "Mumie" von 2017 fehlt das alles, dies ist einfach nur ein zusammengeschustertes Stück Popcorn-Kino mit einigen gekonnt eingesetzten Horroreffekten. Wer seiner oder seinem Angebeteten im Kino näherkommen will, soll sich diesen Film ansehen. Alle anderen können darauf verzichten.

"Die Mumie" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 13 Juni 2017 um 22:46 von Roland Freist

Bearbeitet: Mittwoch 14 Juni 2017 15:18

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