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Filmkritik "La La Land"

Ryan Gosling singt!

Musicals haben in Hollywood eine lange Tradition. Anders als in Europa produziert man dort jedes Jahr ein bis zwei dieser Mischungen aus Gesang, Tanz und Schauspiel, gibt viel Geld dafür aus und engagiert erstklassige Schauspieler, die oftmals extra für diese Rolle singen und tanzen lernen. Viele dieser Filme gehören nicht gerade zum Pflichtprogramm des regelmäßigen Kinogängers. Dann sind aber immer wieder echte Perlen dabei, die Handlung, Musik und Choreographie zu einer perfekten Einheit verschmelzen. Zu dieser Gruppe gehört "La La Land". Regisseur Damien Chazelle, der vor zwei Jahren mit "Whiplash" seinen ersten Spielfilm überhaupt vorlegte, gelingt das Kunststück, einen nostalgischen Musicalfilm im Stil der 50er Jahre zu drehen und ihn gleichzeitig fest in der Gegenwart zu verankern.

Am besten illustriert das die erste Szene des Films: Ein Highway in Los Angeles, der Verkehr staut sich auf mehreren Kilometern, es geht keinen Zentimeter voran. Nach und nach bewegt sich etwas in den Wagen, Leute steigen aus, Musik kommt auf und es beginnt eine ausgelassene Tanz- und Gesangsnummer auf und zwischen den Autos, gefilmt von einer Kamera, die sich in wahnsinnigen, schnellen Bewegungen durch die Tanzenden schlängelt, von einer Figur zur nächsten springt und die ganze fröhliche Hauptsache-ich-hab-Musik-Stimmung perfekt einfängt. Kameramann Linus Sandgren leistet in diesem Film unglaubliche Arbeit.

Eine solche Szene ist natürlich ein ganz altes Klischee, und das ist dem Regisseur auch bewusst. Mehr noch, er will möglichst viele dieser Klischees haben. So sieht man auch nicht nur eine, sondern gleich zwei romantische Begegnungen im warmen Licht eines kitschigen Sonnenuntergangs, es gibt, natürlich in einem Kino bei einem alten Schwarzweiß-Film, ein erstes, vorsichtiges Händchenhalten, und viele, viele Arm-aber-glücklich-Szenen. Das alles sind Konstellationen, wie man sie bereits aus den alten Musical-Klassikern kennt. Doch der Film überträgt sie so gekonnt in die heutige Zeit, dass sie wie neu wirken und trotzdem immer auf die alten Vorbilder verweisen. Große Kunst.

Der Verkehrsstau ist übrigens der Moment, in dem wir die beiden Hauptdarsteller kennenlernen und sie sich auch selbst zum ersten Mal sehen. Er heißt Sebastian (Ryan Gosling) und ist Jazzpianist, der jedoch sein Geld mit Klimpereien in einem teuren Restaurant verdienen muss. Ihr Name ist Mia (Emma Stone) und will Schauspielerin werden. Doch bis dahin arbeitet sie in einem Café auf dem Studiogelände von Warner Brothers und rennt zwischendurch von einem Casting zum nächsten, wo sie eine unter vielen ist und immer nur auf desinteressierte Agenten trifft. Einige Wochen nach dem ersten Blickkontakt auf dem Highway lernen sie sich dann kennen und kommen kurz darauf auch zusammen. Einige Monate lang geht die Geschichte gut, doch dann werden sie wieder getrennt. Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können.

Weder Emma Stone noch Ryan Gosling haben eine musikalische oder Tanz-Ausbildung, beide haben erst für "La La Land" Stunden genommen. Dennoch sind ihre Tanzszenen ausgezeichnet, auch wenn sie natürlich nicht Ginger Roberts und Fred Astaire sind. Auch der Gesang klappt überraschend gut. Technisch hätte es auch die Möglichkeit gegeben, ihre Gesangsstimmen durch die von ausgebildeten Sängern zu ersetzen, dem Regisseur war jedoch die Authentizität wichtiger. Schauspielerisch sind beide ohnehin über jeden Zweifel erhaben, allerdings in diesem Fall mit deutlichen Vorteilen für Emma Stone.

"La La Land" hat einen nichtssagenden Titel und ist dennoch einer der Filme, die von dieser Kinosaison in Erinnerung bleiben werden. Bei den Golden Globes hat er vor wenigen Tagen sieben Trophäen eingesammelt, und es würde nicht wundern, wenn er auch bei der Oscar-Verleihung erfolgreich wäre.

"La La Land" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Freitag 13 Januar 2017 um 23:13 von Roland Freist

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