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Filmkritik: "Prometheus – Dunkle Zeichen"

Intelligentes Design

Im Regiekommentar zur "Alien"-DVD erzählte Ridley Scott im Jahr 2000, dass er gerne noch einen Teil 5 oder 6 der "Alien"-Reihe drehen würde. Darin solle es um die Geschichte des versteinerten Raumfahrers gehen, den Ripley und ihr Team von der Nostromo im Film gefunden hatten. Er wolle herausfinden, wer diese Wesen sind. Zwölf Jahre später ist daraus nun ein Film geworden.

Man kann über "Prometheus" nicht sprechen, ohne auf "Alien" einzugehen, einen Meilenstein des Science-Fiction-Genres. Zwar hat das ursprünglich als reines Prequel geplante Werk im Laufe der Entstehungsgeschichte ein Eigenleben entwickelt und funktioniert heute auch, wenn man die "Alien"-Filme nicht gesehen hat. Doch die Bezüge sind eindeutig.

Am Anfang steht ein Schöpfungsakt. Man sieht ein bleiches, menschenähnliches Wesen in einer kargen Landschaft an einem Wasserfall, über ihm schwebt ein Raumschiff. Er trinkt irgendeinen Glibberkram aus einem kleinen Becher und beginnt in kürzester Zeit zu zerfallen, sein Körper löst sich komplett auf. Sogar seine DNS-Stränge werden in Stücke gerissen und vom Wasser weggespült. So soll es also gewesen sein als das organische Leben auf die Erde kam.

Der Film wechselt ins letzte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Nachdem in verschiedenen Höhlen rund um den Globus jahrtausendealte Zeichnungen einer weit entfernten Sternenkonstellation gefunden wurden, finanziert die Firma Weyland Industries eine Erkundungsexpedition zu einem Mond, der in diesem System um den einzigen Planeten kreist. Geleitet wird die Expedition von Meredith Vickers (Charlize Theron), die wenig Hehl daraus macht, dass sie die Mission für rausgeschmissenes Geld hält. Doch die Wissenschaftler an Bord hoffen, Spuren einer außerirdischen Lebensform zu finden. Die Chef-Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) glaubt sogar, dass sie auf eine Spezies treffen könnten, die das Leben auf der Erde und damit die Menschen erschaffen hat.

Als das Raumschiff namens Prometheus auf dem Mond ankommt, stößt die Besatzung dort auf eine Pyramide, die den Zugang bildet zu einem riesigen Höhlensystem, gefüllt mit guter, atembarer Luft. In den Höhlen stolpern die Wissenschaftler schon bald über die Leichen außerirdischer Wesen, deren DNS, wie sich später herausstellt, identisch ist mit der des Menschen. Und es gibt einen Raum mit großen, urnenähnlichen Gefäßen, die mit einer schwarzen, ölartigen Flüssigkeit gefüllt sind. Wie nicht anders zu erwarten, werden in der Folge grundlegende Quarantäne-Regeln missachtet, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Nachdem der menschenähnliche Roboter David (Michael Fassbender) Shaws Kollegen und Freund Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) einen kleinen Tropfen von dem Öl verabreicht hat, wird der zum Berserker und beginnt, die anderen Besatzungsmitglieder umzubringen. Doch die größere Gefahr geht aus von reptilienartigen Tieren, die in dieser Flüssigkeit leben – sie dringen in ihre menschlichen Opfer ein und benutzen sie als Wirte für ihren eigenen Nachwuchs. Je weiter die Forscher das Höhlensystem erkunden, desto mehr Fragen kommen auf. Wer hat das alles gebaut? Haben diese Wesen auch die Menschen erschaffen? Und warum? Und wo sind sie jetzt?

Die beiden interessantesten und am besten gespielten Figuren in "Prometheus" sind Elizabeth Shaw und Roboter David. Noomi Rapace, bekannt geworden als die Lisbeth Salander in den schwedischen Verfilmungen der Millennium-Romane von Stieg Larsson, ist hier kaum wiederzuerkennen. Aus dem Nerd ist eine überzeugend argumentierende Wissenschaftlerin geworden, die in den entscheidenden Momenten das Richtige macht, auch wenn’s weh tut. Eine würdige Nachfolgerin (beziehungsweise Vorgängerin) von Sigourney Weavers Ripley. Michael Fassbender wiederum macht sich ausgezeichnet als stets höflicher und freundlicher Roboter, der gerade dadurch nur noch umso rätselhafter wirkt.

"Prometheus" nimmt zwar an vielen Stellen Bezug auf "Alien", verfolgt aber tatsächlich eine ganz andere Richtung. "Alien" war ein schmutziger Film: Das Raumschiff zeigte deutliche Gebrauchsspuren, die Laderäume waren mit Öl verschmiert, und die einzige Motivation der Beteiligten war Geld: Die Besatzung feilschte um ihren Lohn, die Betreiberfirma des Schiffs hoffte, das Alien als Biowaffe verhökern zu können. Die Handlung drehte sich um den Kampf gegen eine unbekannte Gefahr, ein Monster, das die meiste Zeit nicht zu sehen war. "Prometheus" dagegen ist sauber: Das Schiff ist wie aus dem Ei gepellt, hell und clean, und den meisten Beteiligten der Mission geht es nur darum, naturwissenschaftliche und philosophische Fragen zu beantworten. Und: Die auftretenden Aliens sind nur noch Beiwerk, die entscheidende Rolle spielen ihre Schöpfer.

"Prometheus" ist ein hochgradig spannender Film, der einige interessante Fragen aufwirft. Etwas nachdenklich stimmt allerdings, dass er eine kreationistische Weltsicht vertritt und damit die Theorie von Charles Darwin zur Entstehung der Arten kurzerhand beiseite wischt. Er weist aber noch ein paar andere Schwächen auf, einige Details wirken unglaubwürdig, und über die Ölbrühe in den Urnen und ihre Wirkung auf Mensch und Tier müsste man auch nochmal reden. Insgesamt jedoch ist es der erhoffte, große Science-Fiction-Film geworden.

"Prometheus" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 14 August 2012 um 11:23 von Roland Freist

Bearbeitet: Samstag 12 Januar 2013 16:27

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