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Archiv der Kategorie Kino

Filmkritik: "Atomic Blonde"

Geschrieben am Sonntag 27 August 2017 um 17:33 von Roland Freist

John LeCarré trifft John Wick

Während des kalten Kriegs hatte Berlin eine der höchsten Dichten an Agenten pro Quadratkilometer der Welt. Insbesondere der Westen der Stadt war ein Tummelplatz für Spione vor allem der drei westlichen Alliierten, aber auch aus der DDR und der Sowjetunion. Vor diesem Hintergrund entstanden zahlreiche Spionagekrimis und -filme, von John LeCarrés "Der Spion der aus der Kälte kam" über "Finale in Berlin" mit Michael Caine bis hin zu Spielbergs "Bridge of Spies". "Atomic Blonde" steht in der Tradition dieser Streifen, oder man könnte auch sagen, es kopiert viele der Klischees des klassischen Agentenkrimis.

Der Film spielt im Jahr 1989, kümmert sich allerdings nicht sonderlich um historische Genauigkeit. Zu Beginn meldet das Radio die Besetzung der Prager Botschaft, einige Tage später, zum Ende des Films, fällt die Mauer und es ist von Mauerspechten die Rede. Die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) erzählt übel zugerichtet im Londoner Hauptquartier des MI6 von den Geschehnissen in Berlin. In Rückblicken erfahren wir, dass man sie losgeschickt hatte, um eine Liste mit Agenten wiederzubeschaffen, die dem britischen Superagenten David Percival (James McAvoy) von einem Russen gestohlen worden war und die jetzt auf dem freien Markt angeboten wurde. Zudem sollte sie einen Doppelagenten identifizieren und ausschalten, der den MI6 bereits seit Jahren zum Narren gehalten hatte. Klassischer Krimistoff also. Allerdings stellt sich dieser Auftrag im weiteren Verlauf als recht kompliziert heraus, was dem Film insgesamt nicht guttut.

Doch nicht nur die Handlung lässt kaum eins der stilbildenden Elemente des Spionagethrillers aus. Auch bei der Gestaltung der Atmosphäre hat Regisseur David Leitch seine Vorbilder genau studiert. "Atomic Blonde" ist über weite Strecken ein Bilderbogen des alten Berlin der 80er Jahre, inklusive heruntergekommener, unsanierter Altbauten mit hohen Räumen, Graffitis an jeder Hauswand, der von oben bis unten besprühten Berliner Mauer und Punks mit Irokesenschnitt. Die Szenen in Ostberlin zeigen Trabis, Ladas und Wartburgs auf den Straßen. Es wird nicht wenige Menschen geben, bei denen Bilder diese Bilder nostalgische Gefühle auslösen, was durch den Soundtrack noch verstärkt wird: Er wird beherrscht vom europäischen Synthiepop der 80er Jahre, von Peter Schillings "Major Tom" bis zu "Blue Monday" von New Order. Die Atmosphäre des Films entspricht allerdings ziemlich genau der eines typischen Berliner Winters, es ist kalt, grau, ungemütlich. Kälter ist nur noch die wasserstoffblone Protagonistin des Films, die passend dazu am liebsten Wodka auf Eis trinkt.

Doch es gibt auch Unterschiede zu den Klassikern des Genres. Regisseur David Leitch hatte 2014 zusammen mit Chad Stahelski "John Wick" gedreht, den bislang besten Vertreter der neuen Garde des Actionfilms. Und während Stahelski "John Wick 2" machte, widmete sich Leitch "Atomic Blonde". Und so ist aus Lorraine Broughton nicht der übliche, leicht distanzierte und ironische James-Bond-Typ einer Agentin geworden, sondern eine wild um sich schlagende Kampfmaschine mit einer deutlich zur Schau getragenen Verachtung für Schusswaffen. Lorraine bevorzugt Martial Arts. Leitch hat lange Jahre als Stuntman gearbeitet, er weiß also, was bei Actionszenen möglich ist. Und dieses Wissen setzt er hier gekonnt ein. Seine Protagonistin schlägt, stößt, tritt ihre Gegner mit einer unglaublichen Fülle von Varianten. Sie springt, weicht aus, wirft sich auf den Boden und benutzt alles, was sie auf die Schnelle in die Hand bekommen kann, als Waffe, angefangen von einem Gartenschlauch über ihren Haustürschlüssel bis hin zu einem Korkenzieher. Charlize Theron hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass ihr Actionszenen liegen, am nachdrücklichsten zweifellos in "Mad Max: Fury Road". Hier ist sie sogar noch stärker gefordert, denn die Kampfszenen erfordern noch einmal mehr Kraft und Konzentration als das Endzeit-Spektakel von George Miller. Aber auch diese Herausforderung meistert sie mit Bravour.

Theron ist natürlich der Star des Films. Aber neben ihr tauchen noch eine ganze Reihe weiterer bekannter Gesichter auf. Allen voran ist James McAvoy zu nennen, der einst mit "Der letzte König von Schottland" bekannt wurde und in den letzten Jahren in der Rolle des jungen Charles Xavier in den X-Men-Filmen in Erscheinung trat. Dazu kommen John Goodman als CIA-Mann Emmett Kurzfeld, der wunderbare britische Schauspieler Toby Jones als Vorgesetzter von Lorraine Broughton, Eddie Marsan ("Ray Donovan") als Überläufer, Sofia Boutella ("Die Mumie") als französische Agentin sowie nicht zu vergessen Til Schweiger als mysteriöser Uhrmacher mit Kontakten.

"Atomic Blonde" hat während in der ersten Hälfte einige Längen, die vor allem durch die unnötig komplizierte Handlung zustandekommen. Im letzten Drittel nimmt er jedoch noch einmal Fahrt auf und lässt die anfänglichen Durchhänger vergessen. Ein filmisches Meisterwerk darf man zwar nicht erwarten. Doch auf seine Weise ist er mit seiner Mischung aus Agenten- und Actionthriller durchaus originell. Die guten Schauspieler und die gekonnt in Szene gesetzten Kampfsequenzen und Verfolgungsjagden tun ein Übriges, dass man den Kauf des Kinotickets nicht bereut.

"Atomic Blonde" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Planet der Affen: Survival"

Geschrieben am Dienstag 08 August 2017 um 22:50 von Roland Freist

Es lebe der Affe

2017 scheint das Jahr der sterbenden Filmserien zu werden, nach der "Alien"-Serie kommt nun nach beinahe 50 Jahren offenbar auch das Ende für "Planet der Affen". Der neu angelaufene "Planet der Affen: Survival" (der im Englischen wesentlich passender "War for the Planet of the Apes" heißt) zeigt in seinen letzten Einstellungen exakt den Ort, an dem ein paar Jahre später Charlton Heston im ersten PdA-Film mit seinem Raumschiff stranden wird. Der Kreis hat sich also geschlossen. Und da es sich voraussichtlich um den letzten Teil der Sage handelt – obwohl: you never know – haben sich alle Beteiligten noch einmal Mühe gegeben und einen der besten Filme dieser Serie produziert.

Das gilt nicht nur für Story und Umsetzung, sondern auch und vor allem für die Technik. Selten zuvor ist einem so deutlich vor Augen geführt worden, wie rasant sich die Möglichkeiten beim computerbasierten Design von Gesichtern in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Noch nie zeigte der Schimpanse Caesar, der erneut als Anführer der Affen auftritt, eine so eindrucksvolle, individuelle Mimik. Nie zuvor konnte man in seinen Gesichtszügen so deutlich Andy Serkis entdecken, der die Figur auch dieses Mal wieder spielt. Gleichzeitig ist Caesar aber eindeutig ein fellbesetzter Hominide, der ohne Zweifel auch das Gesicht eines Affen besitzt. Der Effekt ist tatsächlich verblüffend und sogar leicht beunruhigend.

Die Story: Während die verbliebenen Menschen durch einen Virus einer nach dem anderen in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt und in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden, haben sich die Affen in den Wäldern der amerikanischen Westküste ein hölzernes Dschungelfort gebaut. Dort werden sie vom Colonel (Woody Harrelson) und seinen Leuten aufgespürt, die Caesars Frau und Sohn töten. Mit drei Getreuen bricht er auf, um Rache zu nehmen, und findet die Festung des Colonels, ein ehemaliges Munitionsdepot. Doch die Menschen waren schneller und haben während der Abwesenheit von Caesar die Dschungelstadt überfallen, alle Affen gefangen genommen und sie in eine Art Kriegsgefangenenlager eingesperrt, wo sie zur Arbeit in einem Steinbruch gezwungen werden. Doch der Colonel hat sich nicht nur die Affen zu Feinden gemacht, aufgrund seines brutalen Umgangs mit dem Gegner wird er auch von den gesamten verbliebenen Streitkräften der USA gejagt.

Colonel? Dschungelfestung? Das hat man schon einmal gesehen. Und es sind nicht die einzigen Hinweise auf "Apocalypse Now", die Regisseur Matt Reeves eingebaut hat. Das beginnt bei dem kahlgeschorenen Colonel (nebenbei: Woody Harrelson ist hier mal wieder ganz ausgezeichnet) und reicht bis hin zu der Reise durch den Dschungel und den teilweise absurden Begegnungen. Zudem nimmt "Planet der Affen: Survival" auch Anleihen bei anderen Klassikern des Kriegsfilms wie "Gesprengte Ketten" und "Die Brücke am Kwai". Ein solches Meisterwerk ist "Survival" natürlich nicht, doch er gehört auf jeden Fall zu den besseren, intelligenteren Sommer-Blockbustern.

Dazu trägt auch bei, dass es der erste der neuen Prequel-Filme ist, der seine Geschichte konsequent aus Sicht der Affen erzählt. Sie sind nicht nur die neuen Herren der Welt, sondern sie haben auch den Kampf um die Deutungshoheit gewonnen. Caesar ist der unbestrittene Held in diesem Krieg, die Menschen haben in die Rollen der Bösewichte gewechselt. Der Mensch ist tot, es lebe der Affe.

"Planet der Affen: Survival" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Mittwoch 09 August 2017 11:11

Filmkritik: "Dunkirk"

Geschrieben am Mittwoch 02 August 2017 um 10:54 von Roland Freist

Warten am Strand

Die Schlacht um die nordfranzösische Küstenstadt Dünkirchen im Mai und Juni 1940 war eine der größten Niederlagen der französischen und britischen Armee während des Zweiten Weltkriegs. Eingekesselt von deutschen Truppen, sammelten sich Hunderttausende Soldaten, darunter zahlreiche Angehörige des Britischen Expeditionskorps, am Strand, um per Schiff nach England evakuiert zu werden, während immer wieder neue deutsche Luftangriffe die wartenden Soldaten ins Visier nahmen.

Regisseur Christopher Nolan nimmt diese Ereignisse als Hintergrund für seinen neuen Film "Dunkirk". Allerdings versucht er nicht einmal, die Schlacht selbst darzustellen, das interessiert ihn offensichtlich nicht. Stattdessen konzentriert er sich auf drei Handlungsstränge mit einigen wenigen Personen, die er zum Schluss in gemeinsamen Szenen zusammenführt. Strang Nummer eins ist die Geschichte eines jungen Soldaten namens Tommy (Fionn Whitehead), der wohl nicht nur aufgrund seines Namens stellvertretend für die britischen Truppen steht. Der Film zeigt ihn, wie er versucht zu überleben und auf ein Schiff zu kommen, das ihn über den Kanal nach Hause bringt, während nahezu alle Personen um ihn herum nacheinander sterben. Der zweite Handlungsfaden verfolgt den britischen Spitfire-Piloten Farrier (Tom Hardy), der von England aus aufbricht, um die britischen Kriegsschiffe und die Truppen am Strand vor den Angriffen deutscher Bomber und Jagdflugzeuge zu schützen. Die dritte Story erzählt die Geschichte eines Fischers (Mark Rylance), der nach einem Aufruf der britischen Regierung mit seinem Boot nach Frankreich aufbricht, um bei der Evakuierung der Truppen zu helfen.

"Dunkirk" ist zwar ein Kriegsfilm, allerdings ein sehr ungewöhnlicher. Er spielt in einem Zeitrahmen von etwa einem halben Tag, als die Schlacht schon lange vorbei und verloren ist. Seine Dramatik gewinnt er allein durch die verzweifelte Lage der Soldaten am Strand, auf groß angelegte Gefechtsszenen verzichtet er. Mit Ausnahme einer wenige Sekunden dauernden Szene am Schluss sieht man während des gesamten Films keine deutschen Soldaten. Die Engländer nennen sie nur "die Krauts" oder "der Gegner", es bleiben anonyme Figuren. All das trägt zu dem Eindruck bei, dass die Geschichten, die der Film erzählt, in jedem beliebigen Krieg spielen könnten. Es geht um Soldaten, die nur noch nach Hause wollen, und um andere, die einfach das Richtige tun wollen. Ob das Szenario nun im besetzten Frankreich des Jahrs 1940, in Vietnam oder im Irak angesiedelt ist, wird zur Nebensache. Hier geht es um ganz normale Menschen in Kriegszeiten, was in ihnen vorgeht, wie sie handeln. Sehr wohltuend ist, dass Nolan auf patriotische Überhöhungen weitgehend verzichtet.

Leider gelingt es dem Regisseur aber auch dieses Mal nicht, seine Figuren zu echtem Leben zu erwecken. Seine Filme waren schon immer ein wenig zu kopflastig, zu konstruiert, nie hat man den Eindruck, dass er mit all seinem Herzblut hinter einem Projekt steht. Selbst bei einem so brillanten Streifen wie "Interstellar", der auf faszinierende Weise Astrophysik mit Reflexionen über die Liebe verknüpft und dessen Hauptfiguren von großartigen Schauspielern verkörpert werden, blieb zwischen den Charakteren und den Zuschauern immer eine gewisse Distanz bestehen.

"Dunkirk" ist aber vielleicht gerade deswegen ein sehr guter Film geworden. Natürlich sind auch die Bilder toll, die unübersehbaren Massen der Truppen am Strand, die in langen Schlangen auf Transportschiffe warten, die einfach nicht kommen wollen, die Luftkämpfe über dem Kanal zwischen den britischen Spitfires und den deutschen Messerschmidt-Jägern. Doch seine wahre Faszination entwickelt der Film, da er ein Massenereignis nimmt und es in drei einfachen Geschichten rund um ein halbes Dutzend Männer widerspiegelt.

"Dunkirk" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten"

Geschrieben am Montag 24 Juli 2017 um 22:58 von Roland Freist

Der Film der tausend Planeten

Während die beiden Comic-Giganten Marvel und DC Comics seit Jahren einen Blockbuster nach dem anderen raushauen, war es um die europäischen Comics bislang verhältnismäßig still geblieben. Es mangelt vor allem an Realfilmen. Gut, es gab die Asterix-Verfilmungen mit Gérard Depardieu als Obelix, die man aber insgesamt eher als missglückt betrachten muss. Es gab den Tim-und-Struppi-Film von Spielberg, dem jedoch das Herz fehlte. Nun hat sich Luc Besson mit "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten" darangemacht, mit großem Budget und hohem Aufwand einen der zahlreichen Action-Comics aus dem französischen Sprachraum zu verfilmen. Dort erschienen die Science-Fiction-Stories um die beiden Agenten Valerian und Laureline ab 1967 in der Zeitschrift Pilote. Ab 1973 wurde die Serie für den deutschen Markt durch das legendäre Zack-Magazin übernommen und aus ungeklärten Gründen in "Valerian und Veronique" umbenannt.

Der Film beginnt mit der Geschichte der Stadt der tausend Planeten. Ihr Herz bildet die ISS, die im Laufe der Jahrhunderte immer weitere Anbauten bekam und neue Besatzungsmitglieder aufnahm, darunter zunehmend Angehörige fremder Zivilisationen, mit denen die Menschheit in Kontakt trat. So wuchs sie zu einer riesigen Kugel heran, die irgendwann für den Erdorbit zu groß wurde und seither wie ein Raumschiff das All durchquert. Als der Film beginnt, leben mehr als 5000 Spezies auf der Station, die zu einer Großstadt namens Alpha herangewachsen ist.

Dort sind Major Valerian (Dane DeHaan) und Sergeant Laureline (Cara Delevingne) vom Raum-Zeit-Service stationiert. Der Film stellt sie vor mit einer schönen, actionreichen Verfolgungsjagd durch einen Basar in einer anderen Dimension, bei der sie ein gürteltierähnliches Alien sicherstellen, das die Fähigkeit besitzt, jeden beliebigen Gegenstand zu vervielfältigen. Es stammt von einem Planeten, der uns bereits in einer Eingangsszene des Films vorgestellt wurde, mit paradiesischer Natur und bevölkert von zartgliedrigen, friedfertigen Wesen, die vermutlich nicht ganz zufällig an die Na’vi, die blauen Hippies aus James Camerons "Avatar" erinnern.

Mit dem Alien im Gepäck reisen Valerian und Laureline zurück nach Alpha, wo sie den Oberkommandierenden Arun Filitt (Clive Owen) beschützen sollen, der jedoch trotzdem von geheimnisvollen Angreifern entführt und in einen entlegenen, angeblich radioaktiv verseuchten Bereich tief im Bauch von Alpha gebracht wird.

Spätestens ab diesem Punkt weiß man als Zuschauer, wie sich die Handlung voraussichtlich weiterentwickeln wird. Und tatsächlich hält die Story von "Valerian" im weiteren Verlauf keine großen Überraschungen bereit. Wesentlich interessanter sind denn auch die CGI-Effekte des Films. Besson hatte im Vorfeld erzählt, er habe den Comic – den Lieblingscomic seiner Jugend – schon seit Jahren verfilmen wollen. Doch erst jetzt sei die erforderliche Technik verfügbar. Und die nutzt er weidlich aus. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail beschreibt er etwa die Tausenden von Handelsständen im großen Basar und anschließend das Innere von Alpha, wo Wasserwesen neben kleinen Computer-Konstrukteuren mit flinken Händen und großen, ungeschlachten Höhlenbewohnern leben. Die Phantasie, die hinter all diesen Wesen und Welten steckt, die Faszination, die von den verschiedenen Körpern, Farben, Bewegungsarten ausgeht, ist das wichtigste Argument, das für diesen Film spricht.

Denn leider hat er auch etliche Schwächen. Neben der einfallslosen Story sind das vor allem die beiden Hauptfiguren, von denen man einfach zu wenig erfährt. Dane DeHaan ist ein gutaussehender Kerl und mag auch ein passabler Darsteller sein, doch hier wirkt er einfach nur glatt. Cara Delevingne dagegen, die Frau mit den eindrucksvollen Augenbrauen, in Deutschland vor allem durch die Zalando-Werbung bekannt, ist zwar keine sonderlich gute Schauspielerin – ihre Bewegungen wirken teilweise zu angestrengt und gekünstelt –, doch sie hat sich ganz offensichtlich Gedanken über ihre Figur gemacht, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren, was sie tun würde. Ihre Laureline wirkt daher wesentlich lebendiger und zugänglicher als Valerian.

Neben diesen beiden treten noch eine Reihe weiterer bekannter Namen auf. So spielt Jazzmusiker Herbie Hancock den Verteidigungsminister von Alpha, Ethan Hawke gibt einen Zuhälter und Popstar Rihanna mimt eine Gestaltwandlerin, die sich als Schauspielerin versucht, was eine ganz eigene Ironie ergibt.

"Valerian" nimmt viele Anleihen bei "Avatar" und Bessons eigenem Film "Das fünfte Element". Technisch ist er brillant und daher einen Kinobesuch wert, doch das allein reicht für einen guten Film leider nicht aus.

"Valerian" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Montag 24 Juli 2017 23:44

Filmkritik: "Die Mumie (2017)"

Geschrieben am Dienstag 13 Juni 2017 um 22:46 von Roland Freist

Hätte man sie doch bloß nicht wiederbelebt

Mumien sind seit jeher beliebte Elemente des klassischen Horrorfilms, was wohl vor allem damit zu tun hat, dass bereits die Vorstellung, wie die Leiche unter den ganzen Mullbinden wohl aussehen mag, ein leichtes Gruselgefühl hervorruft. Wenn die in Jahrtausenden vertrockneten Körper dann noch aufstehen und die Lebenden mit allerlei altägyptischem Zauber bedrohen, hat man alle Zutaten für einen gelungenen Grusel beisammen. Eigentlich sollte dann nicht mehr viel schiefgehen können. Kann es aber doch, wie die 2017er Version von "Die Mumie" beweist.

Wohl jeder kennt die 1999er Version mit Brendan Fraser als zwielichtigem Grabräuber im Ägypten der 20er Jahre. "Die Mumie" von 2017 nun verlegt die Handlung in die Gegenwart und setzt auf die beiden Superstars Tom Cruise und Russell Crowe. Cruise spielt den amerikanischen GI Nick Morton, der während des Irakkriegs ausbüxt, um in der Wüste einen sagenhaften Schatz zu suchen. Zusammen mit seinem Kumpel Chris (Jake Johnson) und der hübschen Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) stößt er tatsächlich auf eine Grabhöhle mit einem stark geschützten Sarkophag, der daraufhin nach London überführt wird. Warum Amerikaner ein archäologisches Fundstück nach England bringen, wird übrigens nicht weiter erklärt.

Wie auch immer: Der Sarkophag dient natürlich als Gefängnis für eine Mumie, in diesem Fall die Überreste einer ägyptischen Prinzessin namens Ahmanet (Sofia Boutella). Sie sollte ehemals als älteste Tochter des Pharaos das ägyptische Reich erben, was aber quasi in letzter Minute nicht klappte, woraufhin sie sich mit dem Gott Seth einließ und ihren Vater, dessen Frau und ihren gemeinsamen Sohn ermordete. Nachdem nun Nick ihre Fesseln gesprengt hat, macht sie sich auf zur Weltherrschaft. Dabei soll ihr Nick zur Seite stehen, der, man weiß nicht, wie's dazu kam, Ahmanets alten Verbündeten Seth in sich trägt. Er macht sich immer mal wieder durch Visionen aus dem alten Ägypten bemerkbar und steuert zeitweise auch Nicks Willen.

Diese Story hört sich nicht nur in der Nacherzählung dröge an, auch die Filmhandlung ist eher langweilig. Die Macher waren daher so klug, der Handlung keine größere Aufmerksamkeit zu schenken und sich voll und ganz auf die Horroreffekte zu konzentrieren. Hier liegen eindeutig die Stärken des Films, man spürt die Hollywood-Routine beim Aufbau der Buh-Effekte, wenn etwa die Protagonisten langsam auf einen Raum zugehen und plötzlich irgendwelche Monster oder Waffen ins Bild schießen. So gesehen erfüllt dieser Film seinen Daseinszweck, denn er ist gut geeignet für Teenager, die zusammen mit Freund oder Freundin ins Kino gehen und sich in Schreckmomenten aneinander kuscheln wollen. Ein typische Sommer-Blockbuster also.

Über die Handlung darf man sich freilich keine Gedanken machen. In London etwa taucht ohne ersichtlichen Grund der von Russell Crowe gespielte Dr. Jekyll auf, vielleicht weil dem Filmstudio ein Monster pro Film zu wenig war. Doch gerade als ich mich auf den Kampf zwischen Mumie und dem bösen Mr. Hyde zu freuen begann, war er auch schon wieder verschwunden und ward bis zum Ende des Films nicht mehr gesehen. Die Dialoge sind auf ähnlichem Niveau, Wortwechsel wie "Du hast seine Frau und ihr Kind getötet." "Das waren andere Zeiten damals." sind keine Seltenheit.

Immerhin macht Russell Crowe seine Sache noch recht gut. Das Gleiche kann man nicht über Tom Cruise sagen, der sich offensichtlich entschlossen hatte, eine Art Indy ohne den Professor-Jones-Überbau zu mimen. Das ist ihm weitgehend misslungen, sein Nick Morton ist einfach nur ein Hampelmann ohne jeden Charme. Angeblich hatte Nick bereits vor dem Eintreffen im Irak eine Affäre mit Jenny Halsey, was angesichts der Charaktere völlig ausgeschlossen erscheint. Die beiden Frauen übrigens, sowohl Annabelle Wallis wie auch die gebürtige Algerierin Sofia Boutella, erbringen zwar keine Meisterleistungen, agieren jedoch zumindest solide und ohne größere Ausrutscher.

Der 1999er Mumienfilm besaß Witz, Charme, eine nachvollziehbare Handlung und als glaubwürdiges Motiv eine sich über die Jahrtausende erstreckende Liebesgeschichte. Hinzu kamen einige für die damalige Zeit spektakuläre CGI-Effekte. Der "Mumie" von 2017 fehlt das alles, dies ist einfach nur ein zusammengeschustertes Stück Popcorn-Kino mit einigen gekonnt eingesetzten Horroreffekten. Wer seiner oder seinem Angebeteten im Kino näherkommen will, soll sich diesen Film ansehen. Alle anderen können darauf verzichten.

"Die Mumie" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Mittwoch 14 Juni 2017 15:18

Filmkritik: "Alien: Covenant"

Geschrieben am Sonntag 21 Mai 2017 um 23:31 von Roland Freist

Alien: Schluss

Zum Schluss ist man fast froh, dass es nun endlich vorbei ist. "Alien: Covenant" schließt die Lücke zwischen "Prometheus" und dem ersten Alien-Film von 1979 und gibt Antworten auf die letzten noch offenen Fragen. Man erfährt, woher die Aliens ursprünglich kamen, wie sie entstanden, warum sie erschaffen wurden. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, und das ist gut so. Denn "Covenant" ist kein guter Film mehr.

Regisseur Ridley Scott, der den ersten Teil der Saga gedreht und den Ruhm der Serie begründet hatte, erzählt in diesem sechsten Teil die Geschichte des Raumschiffs Covenant und seiner Besatzung. Zehn Jahre nachdem die Prometheus sich auf den Weg nach dem Ursprung der Aliens gemacht hatte, ist es mit mehr als 2000 Siedlern im Tiefschlaf auf dem Weg zu einem unbewohnten Planeten. Nach einem Unfall wird die Besatzung automatisch aufgeweckt und entdeckt ganz in der Nähe einen weiteren Planeten, der sich ebenfalls für eine Besiedlung eignen könnte. Dort angekommen, stellt sich heraus, dass es sich um den Heimatplaneten der Außerirdischen handelt, die wir in "Prometheus" kennengelernt hatten. Doch sie sind alle tot, der Planet wird nur noch fiesen Monstern bewohnt, die sich wie Schwärme aus Blütenpollen formieren und menschliche Wesen über den Gehörgang oder auch die Nasenschleimhäute infizieren. Das einzige intelligente lebende Wesen auf dieser Welt ist der Androide David (Michael Fassbender) von der Prometheus, der das von den Ohren- beziehungsweise Nasenbohrern bereits dezimierte Team der Covenant bei sich aufnimmt. Er lebt in der ehemaligen Stadt der Außerirdischen in einer Höhle und sagt Sachen wie "Niemand versteht die traurige Perfektion meiner Träume". Ganz offensichtlich ist er verrückt geworden.

"Alien: Covenant" besteht zu großen Teilen aus Versatzstücken der beiden bisherigen Alien-Filme von Scott. Die großen Eier tauchen wieder auf, in denen der Alien-Nachwuchs heranreift, der Facehugger, der den menschlichen Wirt infiziert, die Geburtsszene mit dem Durchstoßen der Bauchdecke, aber auch die bleichen Erschaffer der Menschheit und nicht zuletzt auch die philosophischen Betrachtungen über das Wesen des Menschen und seine Herkunft. Echte Überraschungen sind Fehlanzeige, stattdessen weiß man den größten Teil der Zeit, was kommen wird, und schaut demensprechend gelangweilt zu. Man spürt den fehlenden Enthusiasmus bei diesem Filmprojekt. Musste halt noch gemacht werden, damit die Reihe abgeschlossen werden kann.

Ähnlich uninteressant wie die Handlung sind die Charaktere. Man lernt keinen von ihnen wirklich kennen, entsprechend egal ist es einem dann auch, wenn sie, getreu den Regeln des Horrorfilms, einer nach dem anderen ins Gras beißen. Oftmals ist auch nicht klar, wer gerade noch am Leben und wer bereits tot ist. Zwischendurch ertappte ich mich bei dem Gedanken "Oh, die beiden gibt’s ja auch noch", als plötzlich zwei Figuren wieder auftauchten, die eine Weile von der Bildfläche verschwunden waren. So etwas wirft kein gutes Licht auf die Charakterzeichnung eines Films.

Auch schauspielerisch ist der Film eine Enttäuschung. Michael Fassbender läuft als einziger zur Normalform auf, ist souverän und überzeugend. Hier spielt er sogar eine Doppelrolle, da an Bord der Covenant ein weiterer Androide seines Typs zur Mannschaft gehört. Anderen bewährten Schauspielern wie Billy Crudup ("Almost Famous", "Watchmen"), Danny McBride ("Up in the Air") oder Demián Bichir ("The Hateful 8") gelingt es nicht, sich im engen Korsett ihrer Rollen zu entfalten. Die Hauptrolle hingegen, die bei den Alien-Filmen traditionell von einer Frau gespielt wird, hat Katherine Waterston ("Inherent Vice") erhalten. Sie ist eine gute Schauspielerin, in dieser Rolle jedoch trotz Kurzhaarfrisur eine Fehlbesetzung. Wehmütig denkt man an die Zeiten von Ripley alias Sigourney Weaver zurück, der auch das begriffsstutzigste Alien bereits von weitem ansah, dass mit dieser Frau nicht gut Kirschen essen ist. Waterstons Figur kann in keiner einzigen Szene einen ähnlichen Eindruck erwecken.

Mit "Alien: Covenant" hat Ridley Scott eine große Chance vertan. Es war klar, dass der ursprüngliche Handlungsstrang der Alien-Filme sein Ende erreicht hatte und etwas Neues kommen musste. "Prometheus" war ein guter, vielversprechender neuer Ansatz und auch ein guter Film. So hätte es weitergehen können. Doch stattdessen beschränkt sich "Covenant" im Wesentlichen auf das Wiederkäuen bereits bekannter Szenen. "Alien: Covenant" fehlen die Neugierde und die Faszination für das Unbekannte, welche die Vorgänger einst zu einem stilbildenden Mythos machten.

"Alien: Covenant" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Montag 22 Mai 2017 21:29

Filmkritik: "Guardians of the Galaxy Vol. 2"

Geschrieben am Freitag 28 April 2017 um 0:00 von Roland Freist

Superhelden im LSD-Rausch

Als ich etwa 18, 19 Jahre alt war, hatte ich einige experimentierfreudige Mitschüler, die sich von Zeit zu Zeit bekifft Filme ansahen. Kubricks "2001" kam ihnen zufolge ganz gut, Fassbinders "Querelle" dagegen war wohl ein ziemlicher Flop. "Guardians of the Galaxy Vol. 2" hätten sie geliebt. Denn der Film ist bunt, regelrecht quietschbunt, in etwa so wie die Batman-Filme von Joel Schumacher, allerdings deutlich lustiger. Insgesamt wirkt er, als wäre er im LSD-Rausch designt worden.

Regisseur James Gunn hat alles übernommen, was im ersten Teil gut funktionierte, den Humor, die fünf Helden mit der zweifelhaften Intelligenz, die Musik, und er hat alles weggelassen, was schon damals scheiterte, darunter vor allem den Versuch, eine nachvollziehbare, spannende Handlung aufzubauen. Der zweite Guardians-Film ist über weite Strecken hinweg eine Aneinanderreihung mittelmäßiger, teilweise aber auch wirklich guter Witze, die größtenteils auf Kosten der fünf Protagonisten gehen. Das sind erneut Peter Quill a. k. a Star-Lord (Chris Pratt), die grünhäutige Gamora (Zoe Saldana), der tätowierte Muskelberg Drax (Dave Bautista), der schießwütige Waschbär Rocket (im Original mit der Stimme von Bradley Cooper) sowie Baby Groot, der Ableger des im ersten Teil gestorbenen Baumwesens Groot, erneut gesprochen von Super-Macho Vin Diesel.

Um diese Figuren herum haben die Drehbuchschreiber ein dürres Handlungsgerüst aufgebaut, das im Wesentlichen daraus besteht, dass Peter Quills Vater in Gestalt von Kurt Russell auftaucht. Er entpuppt sich als ein Millionen Jahre alter Gott und ist gleichzeitig ein Planet, der in seiner psychedelischen Farben- und Formenpracht aussieht wie der Realität gewordene Traum eines 70er-Jahre-Drogenfressers. Aber auch abseits von den Quills geht es viel um Familie und Vater-Sohn-Beziehungen, vermutlich soll das sogar das Grundmotiv des gesamten Films darstellen.

Die passende Musikuntermalung dazu ist natürlich "Father and Son" von Cat Stevens. Aber auch der Rest des Soundtracks ist mit feinem Gespür ausgesucht, angefangen von "Mr. Blue Sky" von ELO über "The Chain" von Fleetwood Mac bis hin zu George Harrisons "My Sweet Lord", dem ständig wiederholten Gegreine, wie gern er doch seinen Gott sehen würde.

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" wirkt wie eine große, fröhliche Mottoparty, bei der Geld keine Rolle spielt. Es werden exotische Drogen gereicht, die Musik passt, man trifft viele gute Bekannte (in Cameo-Rollen treten unter anderem Sylvester Stallone, David Hasselhoff, Ving Rhames und Michelle Yeoh auf) und alle sind gut drauf. Der erste Teil war besser, da er zumindest ansatzweise noch so etwas wie eine Spannungskurve hatte. Diesmal gibt es im dritten Akt einige nicht zu übersehende Längen. Aber hey, alles in allem ist Guardians 2 dann doch ziemlich groovy.

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Dienstag 08 August 2017 22:44

Filmkritik: "Free Fire"

Geschrieben am Donnerstag 06 April 2017 um 23:22 von Roland Freist

Feuer frei

Seit einigen Jahren lässt sich eine Neuorientierung des Actionfilms beobachten. Streifen wie "The Raid", "John Wick" oder, mit Abstrichen, "Lone Survivor", verzichten auf große Handlungsbögen, ausgefeilte Charakterzeichnungen und die klassischen, muskelbepackten Genrestars wie die drei großen S (Snipes, Stallone, Schwarzenegger). Stattdessen nehmen sie sich eine Situation vor, die Erstürmung eines Hochhauses in Jakarta oder die Flucht vor einer Gruppe von Talibankriegern in Afghanistan, und studieren sie wie unter einem Mikroskop. Jedes Detail ist wichtig. Trotz erkennbar mickrigem Budget geben sich alle Beteiligten größte Mühe, jedes Detail so perfekt zu gestalten wie es nur irgend geht. Dies sind Filme, die Action ernst nehmen.

In diese noch recht junge Tradition reiht sich nun "Free Fire" ein. Das Szenario ist ein Waffendeal im Boston der späten 70er Jahre. Zwei Gruppen von Gangstern treffen sich in einer alten Lagerhalle, die eine Gruppe hat die Sturmgewehre, die andere das Geld. Zu Anfang lernt man die einzelnen Protagonisten ein wenig kennen, es sind Gestalten von zweifelhafter Intelligenz, abgebrüht, professionelle Kriminelle.

Wie immer in solchen Fällen ist die Stimmung spannungsgeladen. Jedem Beteiligten ist klar, dass ein falsches Wort, eine falsche Bewegung, die Situation eskalieren lassen kann. Alle sind daher krampfhaft um Ruhe bemüht. Doch dann löst ein privater Konflikt tatsächlich die Katastrophe aus.

Es folgt ein brillant inszenierter Kampf jeder gegen jeden, einziger Schauplatz ist die alte Lagerhalle. Der Schuppen ist abbruchreif, der Boden bedeckt von Müll und Bauschutt. Der Weg zum Ausgang bietet keine Deckung, alle Beteiligten, es sind acht Personen, müssen hinter Betonstücken, Säulen, Kisten Deckung suchen. Bereits nach wenigen Minuten hat jeder von ihnen mindestens einen Streifschuss abbekommen. Es bilden sich kleine Grüppchen, die sich schnell wieder auflösen, Duelle entstehen, bis wieder ein neuer Gegner ins Schussfeld gerät und die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Die Handkamera schwenkt interessiert von einem Protagonisten zum anderen.

Die Audiospur ist erfüllt mit den Geräuschen der Schüsse, dem Zischen, Sirren, Pfeifen der umherfliegenden Kugeln, den dumpfen Einschlägen in Holz oder Beton, dem Pling und Bong der Abpraller. Dazu kann man auch die einzelnen Waffenmodelle am Sound unterscheiden, die kleinen Revolver, die Pistolen und natürlich die Sturmgewehre. Das Soundediting ist meisterhaft, jedem Schuss lassen sich problemlos die Waffe und sogar der Ort und die Figur zuordnen, die sie abgeschossen hat.

Einige der Schauspieler kennt man bereits, allen voran Cillian Murphy ("Batman Begins"), aber auch Sam Riley ("On the Road"), Armie Hammer ("Codename U.N.C.L.E.") oder Brie Larson ("21 Jump Street"), die anderen kommen eher aus der dritten Reihe. Keiner von ihnen dürfte mit diesem Film viel Geld verdient haben. Der englische Regisseur Ben Wheatley war bisher vor allem im Reich der unterfinanzierten Action- und Horrorstreifen unterwegs, er weiß, wie man mit einem kleinen Budget auskommt. Unterstützung bekam er übrigens von Altmeister Martin Scorsese, der als ausführender Produzent agierte.

"Free Fire" ist ein schmutziger, kleiner Genrefilm, der nichts anderes will als die perfekte Actionszene zu schaffen. Dazu hat Wheatley die großen Vorbilder der Filmgeschichte studiert, der Einfluss etwa von Tarantinos "Reservoir Dogs" oder Michael Manns "Miami Vice" (der Film) ist deutlich zu erkennen. Zieht man das Vorgeplänkel ab, nimmt er sich für eine Szene, die normalerweise nur wenige Minuten dauert, eine ganze Stunde Zeit. "Free Fire" ist eine Hommage an die großen Shootouts der Filmgeschichte und zeigt gleichzeitig, was man aus diesen Szenen noch herausholen kann.

"Free Fire" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Freitag 07 April 2017 0:08

Filmkritik: "Moonlight"

Geschrieben am Mittwoch 15 März 2017 um 11:12 von Roland Freist

Schwarzes Drama

"Every nigger is a star" – der Film beginnt mit dem gleichen Sample wie Kendrick Lamars Album "To Pimp a Butterfly", eines der größten Hip-Hop-Alben aller Zeiten. Die Zeile, entnommen einem Song von Boris Gardiner, ist ein Ausdruck trotzigen schwarzen Selbstbewusstseins. Im Kontext von "Moonlight" erklärt sie die Fokussierung des Films auf den, wie man befürchten muss, nicht ungewöhnlichen Lebenslauf eines Jungen aus den weniger ansehnlichen Vierteln von Miami, wo auch die Farbfilter von "CSI: Miami" die Lebensumstände nicht mehr aufhübschen könnten.

"Moonlight" erzählt in drei weitgehend abgeschlossenen Teilen die Geschichte von Chiron (Alex Hibbert), der in einem schwarzen Viertel aufwächst und zur Schule geht. Im ersten Teil des Films ist er vielleicht sieben oder acht Jahre alt, still und verschüchtert. In seiner Klasse nennen sie ihn "Little", weil er klein und schmächtig ist. Seine Mutter (Naomie Harris, die aktuelle Miss Moneypenny aus den Bond-Filmen) ist cracksüchtig, ein Vater nirgendwo zu sehen. Durch Zufall lernt er den Dealer Juan (Mahershala Ali) und seine Freundin Teresa (Janelle Monáe in ihrer zweiten großen Rolle nach "Hidden Figures") kennen. Sie werden seine Ersatzfamilie, zu der er sich flüchtet, wenn er es bei seiner Mutter nicht mehr aushält. Sie sind es auch, denen als erstes auffällt, dass Chiron schwul ist.

Das zweite Kapitel spielt einige Jahre später, Chiron (Ashton Sanders) ist jetzt vielleicht 16. Juan ist mittlerweile tot, doch noch immer sucht der Junge Schutz bei Teresa. Die Drogensucht seiner Mutter hat sich noch verschlimmert, sie bettelt ihn um Geld an. An der Schule ist er ein Außenseiter, der von den anderen getriezt und tyrannisiert wird. Sein einziger Freund ist wie schon in der Kinderzeit der kubanischstämmige Kevin (Jharrel Jerome), mit dem er seinen ersten sexuellen Kontakt hat, der ihn jedoch wenig später verrät. Voller Wut wird Chiron gewalttätig und landet im Knast.

Drittes Kapitel: Chiron (Trevante Rhodes) ist Anfang 20 und lebt als Dealer in Atlanta. Er hat sich dicke Muskeln antrainiert, trägt Goldkette, goldenes Armband, goldene Grillz. Noch immer spricht er nicht viel. Seine Mutter ist in einer Klinik, aus der sie vermutlich nicht mehr herauskommen wird. Er verbirgt seine Homosexualität, macht einen auf Hetero-Macho. Doch nach einem Besuch bei seiner Mutter ruft er plötzlich Kevin an, den er jahrelang nicht gesehen hat und der jetzt in einem kleinen, billigen Restaurant als Koch arbeitet.

Regisseur Barry Jenkins lässt seinen Kameramann James Laxton ganz nah herangehen an die Gesichter, bis sie die komplette Höhe der Leinwand ausfüllen. Zwischendurch arbeitet er immer wieder mit einer wackeligen Handkamera. Zusammen mit dem exemplarischen Charakter der Geschichte entsteht daraus an vielen Stellen der Eindruck, als habe man es hier mit einem Dokumentarfilm zu tun, der dem Zuschauer etwas erklären will. Und tatsächlich liefert "Moonlight" eine plausible Erklärung, warum sich jemand in solch einen bizarren, goldumwickelten Muskelberg verwandelt.

Aber das ist nur einer von vielen Aspekten des Films. Es geht auch darum, wie es ist, in Armut aufzuwachsen, es geht um das Finden der eigenen Sexualität, es geht um Freundschaft und nicht zuletzt auch um Liebe. Geht es auch um die Situation der Schwarzen in den USA? Eher nicht. Denn der Film bewegt sich nicht aus der schwarzen Community hinaus. Die einzigen Weißen, die man überhaupt zu Gesicht bekommt, sitzen im dritten Kapitel Kevins Restaurant. Ansonsten bewegt sich Chiron ausschließlich unter Schwarzen. Eine Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe ist hier nicht das Thema, gehasst wird er wegen seiner schüchternen Homosexualität.

Alex Hibbert, Ashton Sanders und Travante Rhodes, die Chiron in den verschiedenen Altersstufen spielen, gelingt es, eine gewisse Kontinuität der Figur herzustellen. Auch wenn sich ihr Protagonist äußerlich stark verändert, erkennt man selbst in dem Dealer mit den aufgepumpten Muskeln immer noch Züge des dünnen, kleinen Little vom Anfang des Films wieder. Die beste schauspielerische Leistung kommt jedoch von Mahershala Ali, den ich bisher vor allem aus Fernsehserien wie "4400 – Die Rückkehrer", "House of Cards" oder "Luke Cage" kannte. Er macht aus der zwiespältigen Figur des Crack-Dealers Juan in der wenigen Zeit, die das Drehbuch ihm lässt, einen echten, glaubwürdigen Charakter mit beeindruckender Ausstrahlung. Den Oscar für den besten Nebendarsteller hat er völlig zu recht bekommen.

"Moonlight" ist kein großer, sensationeller Film, doch er ist vielschichtiger, als es die Story zunächst vermuten lässt. In einigen Momenten segelt er zwar knapp am Kitsch vorbei, dass diese Klippen dann doch sicher umfahren werden ist vor allem der Verdienst einer souveränen Regie und ausgezeichneten Kameraarbeit.

"Moonlight" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Logan: The Wolverine"

Geschrieben am Freitag 03 März 2017 um 22:27 von Roland Freist

Das Ende einer Ära

Auch Superhelden werden alt. Das ist eine der interessantesten Erkenntnisse aus "Logan". Superman oder Batman sehen seit Jahrzehnten immer gleich aus. Die Schöpfer der X-Men hingegen trauen sich, uns zu zeigen, was mit Superhelden zum Ende ihres Lebens hin passiert. Ihre Kräfte schwinden, sie wollen nur noch in Ruhe und allein gelassen werden. Körper und Seelen sind vernarbt nach den Hunderten von Kämpfen, die sie ausgestanden haben. Sie wissen, es ist bald vorbei.

Es ist das Jahr 2029. Die Mutanten haben den Krieg verloren, sie wurden eingesperrt und getötet. Nur drei sind noch am Leben: Charles Xavier beziehungsweise Professor X (Patrick Stewart) ist mittlerweile 90 Jahre alt. Er hat die Kontrolle über seine Kräfte verloren, muss Tabletten schlucken und in einem rostigen Stahltank in der mexikanischen Wüste leben, um niemanden zu verletzen. Versorgt wird er von Caliban (Stephen Merchant), einem Mutanten, der andere Mutanten aufspüren kann. Und schließlich ist da noch Logan, Wolverine (Hugh Jackman), der sein Geld mit einem Limoservice verdient. Er ist nur noch ein Wrack, humpelnd, übersät mit Narben, seine Selbstheilungskräfte schwinden. Sein Adamantium-Skelett vergiftet seinen Körper.

Seit 25 Jahren sind schon keine Mutanten mehr geboren worden. Doch da kommt eine Frau (Elizabeth Rodriguez) zu Logan und bittet ihn um Hilfe. Er müsse ihrer Tochter helfen, müsse sie von Mexiko nach North Dakota bringen. Sie sei in Gefahr und werde von gefährlichen Männern verfolgt. Und es stellt sich heraus, dass Laura (Dafne Keen), so heißt die Tochter, tatsächlich von einer halben Armee gejagt wird. Doch bisher haben die Männer sie nicht fangen können, denn genau wie Logan kann sie Adamantium-Klingen aus ihren Händen ausfahren und sich selbst heilen.

Es liegt eine tiefe Melancholie über diesem Film. Von der Aufbruchstimmung, dem oft jugendlichen Übermut, mit dem die X-Men-Serie vor 17 Jahren begann, ist nichts übriggeblieben. Nur noch die Comics erinnern in "Logan" daran, dass es einmal Mutanten gab. Dies ist ohne Zweifel der düsterste und traurigste Superhelden-Film aller Zeiten. Gleichzeitig ist es auch einer der gewalttätigsten: Noch in keinem X-Men-Film hat man so viele Klingen durch Köpfe dringen sehen. Und Logans Wunden schließen sich nur noch sehr langsam, immer wieder bricht er blutüberströmt zusammen.

Und es ist einer der besseren Superhelden-Titel. Bereits im Vorfeld hatten Jackman und Stewart angekündigt, dass es für sie der letzte X-Men-Streifen sei. Von Anfang an spürt man, dass hier eine Ära zu Ende geht. Die X-Men-Reihe war immer eine der intelligenteren Comic-Verfilmungen, Regisseur Bryan Singer, der für vier der Filme verantwortlich zeichnet, hatte bereits im ersten Teil die Richtung vorgegeben. X-Men war in seinen besseren Momenten, und davon gab es viele, ein Plädoyer für Toleranz und den Schutz von Minderheiten, verschwieg aber gleichzeitig nicht die Konflikte, die innerhalb einer solchen Gruppe auftreten und das friedliche Zusammenleben mit den Normalos gefährden können. Ein sehr realistisches Bild, Beispiele dafür finden sich sowohl in der amerikanischen wie in der deutschen Gesellschaft.

Am Schluss von "Logan" müssen die Überlebenden aus den USA fliehen. Man darf gespannt sein, ob und wie es für sie weitergeht.

"Logan: The Wolverine" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Sonntag 26 März 2017 20:31

Filmkritik: "Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen"

Geschrieben am Montag 06 Februar 2017 um 21:42 von Roland Freist

Formeln des Erfolgs

In den 60er Jahren gelang es den USA in einer unglaublichen Kraftanstrengung, drei Menschen auf den Mond und wieder zurück zu bringen. Herausgefordert durch das Raumfahrtprogramm der UdSSR, das den ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn und wenig später den ersten Kosmonauten erfolgreich ins All brachte, setzte das Land über Jahre hinweg vier Prozent seines Bruttosozialprodukts ein, um diesen Vorsprung aufzuholen. Dieser Wettbewerb, der die besten Köpfe der Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Physik erforderte, konnte keine Rücksicht mehr auf die alten Gebote der Rassentrennung nehmen. Sie waren kontraproduktiv und wurden handstreichartig beseitigt. Das zumindest ist die Geschichte, die "Hidden Figures" erzählt. Es ist eine gute Geschichte, auch wenn sie sich so vermutlich nicht abgespielt hat.

Der Film begleitet drei Freundinnen, die alle in der Rechenabteilung der Nasa arbeiten. Katherine G. Johnson (Taraji P. Hanson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) berechnen in einem großen Team Flugbahnen, Luftwiderstand, Eintrittswinkel, Materialien etc. per Hand, denn Computer gibt es bei der Nasa zu dieser Zeit noch nicht. Dafür gibt es Rassen- und Geschlechtertrennung: Alle Frauen in diesem Team sind schwarz.

Vaughn ist die Teamleiterin und organisiert die Arbeit. Bezahlt wird sie jedoch wie eine einfache Rechenkraft, da Schwarze keine Führungspositionen einnehmen können.

Johnson ist die beste Mathematikerin der drei. Auf Empfehlung einer Teamleiterin wird sie in die Space Task Group von Al Harrison (Kevin Costner) versetzt, die den Flug von John Glenn vorbereitet, dem ersten Amerikaner, der ins All geschossen werden soll. Dort erwartet sie ein Team von ausschließlich weißen Männern, an ihrer Spitze Paul Stafford (Jim Parsons, "The Big Bang Theory"), die auf die Verstärkung eher unerfreut reagieren. Eine Toilette für schwarze Frauen ist nicht vorhanden, die nächste ist eine Meile entfernt, was sie zu langen Pausen zwingt. Für ihren Kaffee stellen ihr die Männer eine eigene Kanne hin, gekennzeichnet mit "Colored".

Mary Jackson schließlich hat ein Händchen für die Probleme bei der Konstruktion der Atlas-Rakete, die Glenn ins Weltall tragen soll. Sie würde gerne Ingenieurwissenschaften studieren, doch die Universität lässt keine Schwarzen zu.

Der Film zeigt nun, wie jede der drei Frauen sich gegen die Widerstände durchsetzt, einfach weil sie genauso gut oder sogar besser ist als die weißen Männer, die sie als Schwarze nicht für voll nehmen und zudem auch die neue Konkurrenz fürchten. Am ausführlichsten wird dabei der Werdegang von Katherine G. Johnson geschildert, die Szenen, in denen sie mit ihren Flugbahnberechnungen nicht nur Harrison, sondern auch die Astronauten verblüfft, gehören zu den stärksten des Films. Ebenfalls sehr gut: Kevin Costner, der in einer Mischung aus Ärger und Wut über diesen Unsinn das Schild "Colored" über der Toilette abreißt und die Rassentrennung bei den Kaffeekannen aufhebt.

Leider arbeitet der Film aber auch mit etlichen Klischees, Szenen, Einstellungen, Handlungsentwicklungen, die man bereits etliche Male gesehen hat. Dazu zählt die kitschige Liebesgeschichte zwischen Katherine und einem schwarzen Offizier (Mahershala Ali) genauso wie leider auch etliche Szenen aus den Geschichten der drei Protagonistinnen. Es fehlt "Hidden Figures" an Überraschungsmomenten, Wendungen, die man so nicht erwartet hätte, an Rückschlägen und schicksalhaften Wendungen. Es geht für die drei Frauen die ganze Zeit immer nur bergauf, langsam zwar, und oftmals gegen starke Widerstände, aber bergauf. Doch so ist das Leben nicht. Der Effekt ist, dass man über weite Strecken den Eindruck hat, in einem Familienfilm, einem Gute-Laune-Film zu sitzen. Ja, das waren schlimme Zeiten damals, aber hey, ist doch alles schon viel besser geworden.

Der darstellerischen Leistung tut das zum Glück keinen Abbruch. Taraji P. Henson kennt man vor allem aus ihren Rollen in Fernsehserien wie "Boston Legal" oder "Person of Interest" und übersieht dabei, wie viel sie auch schon fürs Kino gearbeitet hat. Für "Der seltsame Fall des Benjamin Button" gab’s sogar eine Oscar-Nominierung. In "Hidden Figures" ist sie die unangefochtene Hauptfigur des Films, hochintelligent, von ihren Fähigkeiten als Mathematikerin überzeugt und doch in dieser rein weißen Gesellschaft immer wieder gehemmt, ihre Fähigkeiten auch zu demonstrieren. Henson spielt das sehr gut und erlaubt sich nur ganz selten mal kleine Momente der Unsicherheit. Noch etwas besser ist Octavia Spencer, die bereits einen Oscar hat (für "The Help"). Sie besitzt diese Ausstrahlung innerer Ruhe, auf die sie sich auch hier wieder verlassen kann, und wirkt immer so, als würde sie das Geschehen um sich herum nur still beobachten und sich ihre Gedanken dazu machen. Janelle Monáe schließlich ist eigentlich als Sängerin bekanntgeworden. Ihr Album "The ArchAndroid" mit der Single "Tightrope" war 2010 ein Aufsehen erregendes Debüt, doch nach dem zweiten Album "The Electric Lady" von 2013 wurde es still um sie. In diesem Jahr ist sie dafür gleich in zwei Filmen zu sehen, denn auch in "Moonlight", der in einigen Wochen in Deutschland startet, ist sie dabei. Und sie ist wirklich gut als schöne, selbstbewusste, etwas freche Wissenschaftlerin.

"Hidden Figures" hat eine originelle Grundidee, nämlich die Verknüpfung von trockener Mathematik mit der emotionalen Geschichte von drei schwarzen Frauen, die sich in einer weißen Männerwelt durchsetzen. Man lernt auch einiges, zum einen über die Ausformungen der Rassentrennung in den USA, zum anderen aber auch über die Probleme der Raumfahrt zu dieser Zeit. Doch insgesamt ist der Film zu vorhersehbar und letztlich auch zu oberflächlich, um als großer durchzugehen.

"Hidden Figures" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Hell or High Water"

Geschrieben am Dienstag 31 Januar 2017 um 21:54 von Roland Freist

Zwei gegen die Bank

Am Anfang meint man, man habe es mit einem Bankräuber-Film zu tun, in der Tradition von "Butch Cassidy und Sundance Kid" oder auch "Bonnie und Clyde". Zwei maskierte Männer dringen frühmorgens in eine kleine Bankfiliale ein, kidnappen eine Angestellte und müssen dann warten, bis der Geschäftsführer eintrifft, denn nur er hat den Schlüssel zum Tresor. Dann fliehen sie mit ein paar Tausend Dollar in losen Scheinen, denn sie sind zu klug, um die registrierten, frischen Geldbündel mitzunehmen. Sofort nehmen sie sich die nächste Bank vor, auch hier erbeuten sie wieder ein paar Tausend. Und während ihrer Mittagspause überfällt einer der beiden noch eine dritte Bank, einfach weil es sich gerade anbietet.

Die beiden Männer heißen Toby und Tanner Howard und werden gespielt von Chris Pine und Ben Foster. Sie sind Brüder, doch sie haben sich für sehr unterschiedliche Lebenswege entschieden. Toby hat bisher von Gelegenheitsjobs gelebt, er ist geschieden und hat zwei Söhne, die bei ihrer Mutter wohnen. Tanner dagegen hat den größten Teil seines Lebens im Gefängnis gesessen, seit einem Jahr ist er wieder raus. Er ist es, der die ganzen kleinen Tricks kennt, die Sache mit den gebrauchten Scheinen, die Maskierung mit Skimasken und Overalls, ihre Fluchtfahrzeuge vergraben sie in zuvor ausgehobenen Gruben. Sie rauben lediglich die Filialen einer kleinen, lokalen Bank aus, um das FBI nicht auf den Plan zu rufen.

Der Schauplatz ist West-Texas, die Gegend um Lubbock. Nahezu jeder, der hier lebt, ist arm. In den winzigen Käffern in der Gegend gibt es nur Staub und Langeweile, noch nicht einmal eine Bar. Einmal sehen wir, wie Cowboys eine Herde Rinder über die Straße treiben, einer schimpft dabei über diesen Scheiß-Job. Die einzigen Industriebauten sind die Raffinerien der Ölgesellschaften, riesige, stumme Burgen. Es gibt Öl hier im Land, doch der damit erwirtschaftete Reichtum geht an den meisten Menschen vorbei.

Nach dem zweiten Bankraub werden zwei Texas Rangers geholt. Marcus Hamilton (Jeff Bridges) steht kurz vor der Pensionierung, er liebt seinen Job, er kennt und liebt das Land und seine Bewohner. Sein jüngerer Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) ist ein Mischling, halb mexikanisch, halb indianisch, und Hamilton, der gerne und viel redet, lässt keine Gelegenheit verstreichen, um einen Mexikaner- oder Indianer-Witz oder eine Beleidigung loszulassen. Doch tatsächlich spürt man, wie gern die Beiden zusammenarbeiten. Als sie den ersten Tatort erreichen, wird ihnen sehr schnell klar, was hier läuft, und Hamilton erkennt das Muster hinter den Überfällen. Also legen sich die beiden Polizisten auf die Lauer und warten einfach nur ab.

"Hell or High Water" erzählt seine Geschichte sehr ruhig in langen Einstellungen. Er verteilt seine Sympathien gleichermaßen auf die Bankräuber wie auf die Ranger – ähnlich wie die örtliche Bevölkerung, die den Räubern zwar gerne einmal ein paar Kugeln hinterherschickt, auf der anderen Seite aber auch nur mäßigen Respekt vor den Ordnungshütern zeigt. Die Bösen sind hier eindeutig die Banken, die den Menschen nicht helfen, sondern ihnen lediglich das Land wegnehmen wollen. Das wissen die Einheimischen, die Howard-Brüder und nicht zuletzt auch die beiden Ranger.

Es geht in diesem Film weniger um die Überfälle als um die handelnden Personen, auf der einen Seite die beiden Brüder, auf der anderen die Polizisten. Nach und nach blättert Regisseur David Mackenzie die Vorgeschichte der Bankräuber auf und erklärt, warum sie in kurzer Zeit so viel Geld benötigen und ausgerechnet diese Bank überfallen. Es sind nicht die schlechtesten Gründe.

Der Film ist bis in die Nebenrollen gut besetzt und ausgezeichnet gespielt. Chris Pine, die aktuelle Verkörperung von Captain James T. Kirk, zeigt, dass er mehr kann als Actionfilme und eventuell sogar ein recht guter Charakterdarsteller wäre. Ben Foster gibt recht überzeugend den Gewohnheitsverbrecher, ohne seine Figur zu einem Monster zu machen. Und Jeff Bridges hat mal wieder eine Rolle, die ihm sichtbar Spaß macht, er wurde sogar für den Nebenrollen-Oscar nominiert.

"Hell or High Water" spielt in der Gegenwart und ist dennoch vom Charakter her ein Western. Es geht um Armut und Verzweiflung, um Menschen, die resigniert haben und solche, die zumindest für ihre Kinder ein besseres Leben wollen. Koste es, was es wolle.

"Hell or High Water" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Manchester by the Sea"

Geschrieben am Sonntag 22 Januar 2017 um 18:45 von Roland Freist

Manchester im tiefsten Winter

Solche Filme haben nur in der Vorphase der Oscar-Verleihung eine Chance, in die Kinos zu kommen. "Manchester by the Sea" ist das Psychogramm eines Mannes in den 40ern, einsam, mürrisch, unkommunikativ, der als Hausmeister und Mädchen für alles verstopfte Klos reinigt, Abflüsse repariert und Wasserrohrbrüche inspiziert. Es gibt keine Abwechslung in seinem Leben, sein Tagesrhythmus ist immer gleich, tagsüber arbeitet er, abends geht er Bier trinken und starrt vor sich hin. Wenn ihn doch mal jemand anspricht, reagiert er abweisend oder sogar aggressiv. Unangenehmer Typ. Doch der Film über Lee Chandler (Casey Affleck), so heißt die Hauptperson, ist einer der besten des Jahres.

Eines Tages geschieht nämlich doch etwas, das ihn aus seinem Alltagstrott reißt. Sein Bruder Joe (Kyle Chandler) ist gestorben und Lee fährt in seinen Heimatort, eben jenes Manchester by the Sea, um das Begräbnis zu organisieren und die letzten Angelegenheiten seines Bruders zu regeln. Manchester ist ein kleiner, durchschnittlicher Küstenort in Massachusetts, die Leute kennen sich untereinander. Und als Lee wieder auftaucht, erkennen sie ihn wieder und weisen sich hinter vorgehaltener Hand darauf hin, dass das "DER Lee Chandler" sei.

In Rückblenden wird erzählt, wie es dazu kam, dass er hier als "DER Lee Chandler" bekannt ist, warum ein durchaus gutaussehender Mann wie er keine Familie hat, warum er sich so abkapselt. Es ist, wie nicht anders zu erwarten, eine deprimierende Geschichte, voller Leid und Trauer, Verzweiflung und Selbsthass. Ein anderer Film würde daraus ein düsteres Drama stricken, mächtig auf die Tränendrüse drücken und erst zum Schluss, vielleicht, einen kleinen Hoffnungsschimmer aufleuchten lassen, denn das hat Hollywood gern.

Regisseur Kenneth Lonergan, der vor allem für seine Mitarbeit am Drehbuch zu "Gangs of New York" bekannt ist, schlägt jedoch einen anderen Weg ein. Er setzt seiner traurigen, verzweifelten Hauptfigur das Leben selbst entgegen, das immer wieder Schicksalsschläge bereithält, aber auch komisch und optimistisch sein kann. Auf diese Weise relativiert er den Schmerz und die Depressionen von Lee, ohne sie jedoch abzuqualifizieren und herunterzuspielen. "Manchester by the Sea" ist kein Film, aus dem die Zuschauer mit rot geweinten Augen herauskommen. Tatsächlich enthält er sogar etliche sehr komische Szenen, kleine Alltagsbeobachtungen, schnelle, lakonische Dialoge.

Es passiert nicht viel in den 137 Filmminuten. "Manchester" konzentriert sich auf die Zeichnung eines Charakters, auf die Gründe, warum er so ist wie er ist, die wenige Handlung ist tatsächlich eher zweitrangig. Dennoch ist der Film keine Minute langweilig, was nicht nur an dem ausgezeichneten Drehbuch und der Regie liegt, sondern auch an Hauptdarsteller Casey Affleck. Er stand immer etwas im Schatten seines großen, strahlend schönen Bruders Ben, doch mit diesem Film dürfte er sich endgültig in der ersten Schauspieler-Liga etabliert haben. Denn er ist einfach dieser verzweifelte Mann aus der Unterschicht, jede Geste, jeder Blick stimmt, man kann nicht glauben, dass das gespielt sein soll. Ebenfalls herausragend ist Michelle Williams ("My Week with Marilyn"), die zwar nur in einigen kurzen Szenen zu sehen ist, diese jedoch so ausfüllt, dass man sie nicht vergisst.

"Manchester by the Sea" ist ein Film für das Kinopublikum 40+. Viele jüngere Zuschauer werden sich vermutlich langweilen, werden sich nicht für die Hauptperson interessieren und die lustigen Stellen nicht lustig finden. Doch er ist ein Beispiel dafür, welche Meisterwerke das amerikanische Kino abseits des Mainstream hervorbringen kann.

"Manchester by the Sea" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik "La La Land"

Geschrieben am Freitag 13 Januar 2017 um 23:13 von Roland Freist

Ryan Gosling singt!

Musicals haben in Hollywood eine lange Tradition. Anders als in Europa produziert man dort jedes Jahr ein bis zwei dieser Mischungen aus Gesang, Tanz und Schauspiel, gibt viel Geld dafür aus und engagiert erstklassige Schauspieler, die oftmals extra für diese Rolle singen und tanzen lernen. Viele dieser Filme gehören nicht gerade zum Pflichtprogramm des regelmäßigen Kinogängers. Dann sind aber immer wieder echte Perlen dabei, die Handlung, Musik und Choreographie zu einer perfekten Einheit verschmelzen. Zu dieser Gruppe gehört "La La Land". Regisseur Damien Chazelle, der vor zwei Jahren mit "Whiplash" seinen ersten Spielfilm überhaupt vorlegte, gelingt das Kunststück, einen nostalgischen Musicalfilm im Stil der 50er Jahre zu drehen und ihn gleichzeitig fest in der Gegenwart zu verankern.

Am besten illustriert das die erste Szene des Films: Ein Highway in Los Angeles, der Verkehr staut sich auf mehreren Kilometern, es geht keinen Zentimeter voran. Nach und nach bewegt sich etwas in den Wagen, Leute steigen aus, Musik kommt auf und es beginnt eine ausgelassene Tanz- und Gesangsnummer auf und zwischen den Autos, gefilmt von einer Kamera, die sich in wahnsinnigen, schnellen Bewegungen durch die Tanzenden schlängelt, von einer Figur zur nächsten springt und die ganze fröhliche Hauptsache-ich-hab-Musik-Stimmung perfekt einfängt. Kameramann Linus Sandgren leistet in diesem Film unglaubliche Arbeit.

Eine solche Szene ist natürlich ein ganz altes Klischee, und das ist dem Regisseur auch bewusst. Mehr noch, er will möglichst viele dieser Klischees haben. So sieht man auch nicht nur eine, sondern gleich zwei romantische Begegnungen im warmen Licht eines kitschigen Sonnenuntergangs, es gibt, natürlich in einem Kino bei einem alten Schwarzweiß-Film, ein erstes, vorsichtiges Händchenhalten, und viele, viele Arm-aber-glücklich-Szenen. Das alles sind Konstellationen, wie man sie bereits aus den alten Musical-Klassikern kennt. Doch der Film überträgt sie so gekonnt in die heutige Zeit, dass sie wie neu wirken und trotzdem immer auf die alten Vorbilder verweisen. Große Kunst.

Der Verkehrsstau ist übrigens der Moment, in dem wir die beiden Hauptdarsteller kennenlernen und sie sich auch selbst zum ersten Mal sehen. Er heißt Sebastian (Ryan Gosling) und ist Jazzpianist, der jedoch sein Geld mit Klimpereien in einem teuren Restaurant verdienen muss. Ihr Name ist Mia (Emma Stone) und will Schauspielerin werden. Doch bis dahin arbeitet sie in einem Café auf dem Studiogelände von Warner Brothers und rennt zwischendurch von einem Casting zum nächsten, wo sie eine unter vielen ist und immer nur auf desinteressierte Agenten trifft. Einige Wochen nach dem ersten Blickkontakt auf dem Highway lernen sie sich dann kennen und kommen kurz darauf auch zusammen. Einige Monate lang geht die Geschichte gut, doch dann werden sie wieder getrennt. Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können.

Weder Emma Stone noch Ryan Gosling haben eine musikalische oder Tanz-Ausbildung, beide haben erst für "La La Land" Stunden genommen. Dennoch sind ihre Tanzszenen ausgezeichnet, auch wenn sie natürlich nicht Ginger Roberts und Fred Astaire sind. Auch der Gesang klappt überraschend gut. Technisch hätte es auch die Möglichkeit gegeben, ihre Gesangsstimmen durch die von ausgebildeten Sängern zu ersetzen, dem Regisseur war jedoch die Authentizität wichtiger. Schauspielerisch sind beide ohnehin über jeden Zweifel erhaben, allerdings in diesem Fall mit deutlichen Vorteilen für Emma Stone.

"La La Land" hat einen nichtssagenden Titel und ist dennoch einer der Filme, die von dieser Kinosaison in Erinnerung bleiben werden. Bei den Golden Globes hat er vor wenigen Tagen sieben Trophäen eingesammelt, und es würde nicht wundern, wenn er auch bei der Oscar-Verleihung erfolgreich wäre.

"La La Land" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Passengers"

Geschrieben am Montag 09 Januar 2017 um 16:31 von Roland Freist

Allein im Weltraum

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Studio aus Angst vor den Erwartungen des Zielpublikums einen Film ruinieren kann. "Passengers" fängt passabel an und präsentiert seine Hauptfigur(en) in einer schwierigen, ungewöhnlichen Situation. Der Film zeigt ihre Entwicklung von der anfänglichen Verzweiflung über die Akzeptanz der Situation bis hin zum Entschluss, das Beste daraus machen. Dieser Teil ist kurzweilig, intelligent und zeigt in einigen Szenen auch einen gewissen Humor. Aber dann fehlte wohl irgendeinem Verantwortlichen das Action-Element, und die Story nimmt eine hanebüchene Wendung.

Erzählt wird die Geschichte von Jim Preston (Chris Pratt, "Guardians of the Galaxy"), einem Techniker, der an Bord des Raumschiffs Homestead II als Passagier zu einer fernen Kolonie fliegt. Die Reise soll rund 120 Jahre dauern, weshalb sowohl die 5.000 zahlenden Passagiere wie auch die etwa 250 Besatzungsmitglieder in Tiefschlaf versetzt wurden, während das Schiff vollautomatisch sein Ziel ansteuert. Angeblich ist es, ähnlich wie die Titanic, unzerstörbar. Doch dann wird es nach etwa 30 Jahren Flugzeit trotz Schutzschild von einem Meteoriten getroffen und einige Systeme spielen verrückt, was dazu führt, dass Preston vorzeitig geweckt wird. Leider sehen die Schlafkapseln nicht vor, dass ihre Insassen wieder eingeschläfert werden können, so dass Preston nun damit rechnen muss, den Rest seines Lebens allein zu verbringen. Sein einziger Ansprechpartner ist der Barkeeper Arthur (Michael Sheen, "Masters of Sex"), ein Androide, der auf einen rollenden Metalluntersatz montiert ist.

Ein Jahr hält Preston das aus, dann verzweifelt er und will sich das Leben nehmen. Doch im letzten Moment schreckt er davor zurück und beschließt, einen zweiten Passagier aufzuwecken, obwohl er weiß, dass er oder sie das gleiche Schicksal wie er erleiden muss. Durch Zufall entdeckt er die hübsche Schriftstellerin Aurora (Jennifer Lawrence) und er beginnt, alles von ihr und über sie zu lesen, was er im Bordcomputer finden kann. Schließlich weckt er sie auf, und nachdem sie zu Anfang die gleiche Verzweiflung durchgemacht hat wie Preston, verlieben sich die beiden ineinander.

Bis zu diesem Punkt wäre "Passengers" als originelle Science-Fiction-Version von "Robinson Crusoe" durchgegangen, mit Anklängen an Filme wie "Moon" oder "Der Marsianer". Doch im dritten und letzten Akt wird es schräg und die Handlung nimmt eine beinahe schon lächerliche Wendung. Denn der Meteorit hat nicht nur eine einzelne Schlafzelle beschädigt, sondern einen Teil des Hauptcomputers. Um das festzustellen, braucht der Film jedoch einen Insider von der Besatzung, gespielt von Lawrence Fishburne ("Matrix"), der, nachdem er für Preston und Aurora den Weg zu den Kontrollsystemen geöffnet hat, quasi sofort an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Wie er durch den Gesundheitscheck kommen konnte, bleibt genauso das Geheimnis des Drehbuchautors wie die Antwort auf die Frage, warum eine einzelne defekte Computerplatine ein komplettes Schiff lahmlegen kann, obwohl bereits heute jeder Passagierjet mit mehrfach redundanten Systemen ausgestattet ist. Und was macht man mit einer defekten Platine? Genau, man tauscht sie aus. In diesem Film geht das jedoch nicht ohne gigantische Flammenzungen und Lebensgefahr für die Hauptfiguren vonstatten.

Immerhin, darstellerisch ist das Niveau gut. Jennifer Lawrence war schon besser, liefert aber eine solide Leistung ab. Chris Pratt ist, nun ja, Chris Pratt. Michael Sheen jedoch ist einer der besten Androiden, die man bisher auf der Leinwand gesehen hat. Obwohl seine Rolle natürlich verlangt, dass er keine Gefühlsregungen zeigt, macht er aus seinem Barkeeper eine wirklich liebenswürdige Figur und einen echten Charakter.

Der norwegische Regisseur Morten Tyldum hatte zuletzt "The Imitation Game" gedreht, "Passengers" ist nun sein zweiter Film in Hollywood. Man kann nur hoffen, dass er sich beim nächsten Projekt einen solchen Fehltritt wie diesen dritten Teil einfach verbittet.

"Passengers" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Rogue One"

Geschrieben am Dienstag 20 Dezember 2016 um 23:08 von Roland Freist

"Star Wars" für Erwachsene

In einer der ersten Szenen des Films sieht man die Ringe eines Planeten, vergleichbar denen des Saturn. Sie leuchten im Licht eines unbekannten Sterns, scheinen jedoch an einer Stelle abrupt abzubrechen, und man fragt sich, wie das sein kann. Erst als sich die Kamera bewegt, wird klar, dass der Rest der Ringe im harten Schatten des Planeten liegt, wo er nicht zu erkennen ist. Später gibt es eine Einstellung, in der einer der riesigen Sternenzerstörer des Imperiums aus dem tiefen Dunkel des Alls ebenfalls in das gleißende Licht eines Sterns eintritt, es sieht aus, als tauche er aus dem Nichts auf. Je weiter der Film voranschreitet, desto deutlicher wird, dass eines der Hauptmotive von "Rogue One" das Spiel mit Hell und Dunkel, Licht und Schatten ist. Und das ist durchaus metaphorisch gemeint.

Regisseur Gareth Edwards ("Monsters", "Godzilla") hatte einen schwierigen Auftrag übernommen. Er sollte die Geschichte zwischen dem Ende der Episode 3 von "Star Wars" und dem Beginn von "Episode 4: A New Hope" erzählen, ein Zeitraum, bei dem es noch viele offene Fragen zu klären galt. Seine Gestaltungsspielräume waren dabei ziemlich eng, denn man wusste ja bereits im Voraus, wie die Handlung ausgehen würde: Den Rebellen würde es gelingen, die Pläne des Todessterns zu stehlen, das Imperium wiederum hatte den Stern schon fertiggestellt. Auch viele Charaktere waren bereits bekannt. Und schließlich dürfte auch Disney einige Vorgaben gemacht haben, um den Film besser vermarkten zu können. So musste es wohl auf jeden Fall einen kauzigen Droiden mit hohem Wiedererkennungswert geben, den man dann als Actionfigur etc. in die Läden bringen konnte.

Man muss sagen, dass Edwards das Beste aus diesem Stoff gemacht hat. Er hat erkannt, dass die Ausgangssituation auch die Chance bietet, ein paar Sachen anders zu machen als seine Vorgänger bei der Star-Wars-Saga. "Rogue One" beschreibt letztlich eine Nebenhandlung, lässt Figuren auftreten, von denen man bis dahin nie etwas gehört hatte. Das gibt dem Regisseur gewisse Freiheiten. Und so ist ein Film entstanden, deutlich dunkler und düsterer als die anderen Teile, was nicht nur – aber auch – an der vermaledeiten 3D-Technik liegt, bei der die Brillen die Bilder mit einem grauen Film überziehen. Der Film spielt mit Hell und Dunkel, Gut und Böse. Hier herrscht ein schmutziger Krieg, und da geht es nicht mehr um Moral, sondern nur noch darum, zu gewinnen. "Rogue One" ist der erste Film der Reihe, der sich hauptsächlich an Erwachsene richtet.

Die Hauptperson heißt Jyn Erso (Felicity Jones) und ist die Tochter des Wissenschaftlers Galen Erso (Mads Mikkelsen, "Hannibal"), den das Imperium zum Bau des Todessterns gezwungen hat. Am Anfang sehen wir sie noch als kleines Kind, das Zeuge wird, wie Soldaten ihre Mutter erschießen. Doch dann taucht sie bereits als ausgewachsene Frau wieder auf der Leinwand auf, deutlich erfahrener und selbstbewusster als es Luke Skywalker und Rey bei ihren ersten Auftritten waren. Zusammen mit dem Rebellen Cassian Andor (Diego Luna, "Elysium") und dem sarkastischen Droiden K-2SO zieht sie los, ihren Vater zu befreien. Der Plan geht schief, und die Rebellenallianz ist nahe dran aufzugeben. Doch dann machen sich Jyn, Cassian und der Droide zusammen mit einem kleinen Team auf, die Pläne für den Todesstern aus dem zentralen Datenspeicher des Imperiums zu entwenden.

Die Schlacht um den Speicher, ein riesiges, zackenförmig aufragendes Gebäude, ist der Höhepunkt des Films und wird in epischer Breite geschildert. Edwards lässt hier alles auffahren, was die moderne CGI-Technik zu bieten hat, aber er übertreibt es nicht. Der Regisseur behält jederzeit die Übersicht, nichts wirkt aufgesetzt oder gestellt. Wie schon in "Godzilla" gelingen ihm dabei eindrucksvolle Bilder. Der Rhythmus ist schneller als bei den früheren Star-Wars-Filmen, auch in diesem Punkt hebt "Rogue One" sich ab. Dies ist über weite Strecken ein Kriegsfilm, und da gelten andere Regeln.

Die Charaktere bleiben weitgehend blass, man lernt sie kaum kennen. Das ist schade, denn man hätte gerne mehr über ihre Geschichten gewusst. So bleiben es Randfiguren beim epischen Kampf des Guten gegen das Böse, an die sich später niemand mehr erinnern wird. Das verleiht dem Film letztlich eine gewisse Melancholie, die ihn insgesamt betrachtet noch etwas sympathischer macht.

Dennoch muss man betonen, dass "Rogue One" in erster Linie ein Film für Nerds ist. Er hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern setzt die Kenntnis der Star-Wars-Saga einfach voraus. Das erspart dem Fan langwierige Nacherzählungen, verhindert allerdings, dass Newbies der Handlung tatsächlich folgen können. Und natürlich verstehen sie die zahlreichen Anspielungen auf die anderen Filme nicht und können sich auch nicht über die Auftritte von Prinzessin Leia, Darth Vader und Grand Moff Tarkin freuen, die dank moderner Technik wieder so aussehen wie die Originalschauspieler in den 70er Jahren. Der Film ist eine Ergänzung der Storyline, die sich durch die Star-Wars-Filme zieht, und spielt daher eine Sonderrolle. Er ist kein Meisterwerk, aber dank seiner Eigenständigkeit durchaus interessant. Und für die Fans ist er sowieso ein Muss.

"Rogue One" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Florence Foster Jenkins"

Geschrieben am Mittwoch 30 November 2016 um 21:05 von Roland Freist

Florence singt

"People may say I can’t sing, but no one can ever say I didn’t sing." Diese Worte, die auch auf ihrem Grabstein stehen, pflegte Florence Foster Jenkins denjenigen entgegenzuhalten, die ihren Gesang kritisierten oder sich über sie lustig machten. Sie zeugen von einem großen, offensiv vorgetragenen Selbstbewusstsein. Der Film von Stephen Frears ("The Queen", "Pilomena"), der jetzt in die Kinos gekommen ist, zeichnet ein etwas anderes, differenzierteres Bild von der amerikanischen Sängerin, die berühmt wurde, weil sie weder die richtigen Töne traf noch den Rhythmus halten konnte.

Der Film setzt ein, als Jenkins, brillant gespielt von Meryl Streep, einen neuen Pianisten sucht, der sie bei ihren Übungen und Auftritten begleitet. Es sind die frühen 40er Jahre in New York, die USA befinden sich im Krieg. Jenkins‘ Leben und damit auch die Auswahl des Pianisten wird gemanagt von ihrem zweiten Ehemann, einem Engländer mit dem schönen Namen St. Clair Bayfield (Hugh Grant), einem mittelmäßigen Schauspieler, der ausschließlich von ihrem Geld lebt. Die Wahl fällt auf einen jungen Mann namens Cosmé McMoon (Simon Helberg, "Big Bang Theory"), der von nun an zum Inner Circle rund um Jenkins gehört.

Die Geschichte wird von fort an aus der Sicht von McMoon erzählt, ein dramaturgischer Kniff von Frears, der ihm die Möglichkeit gibt, nach und nach die bizarre Welt der Florence Foster Jenkins aufzublättern. Genau wie der Pianospieler entdeckt der Zuschauer immer weitere Details aus ihrem Leben. Sie ist die Tochter eines Bankiers und hat von ihm ein beträchtliches Vermögen geerbt, das ihr Mann dazu einsetzt, eine Art Schutzmauer um sie herum zu errichten, bestehend aus Menschen, die ihr immer wieder erklären, wie wundervoll ihr Gesang sei. Auch ihr Gesangslehrer, der stellvertretende Direktor der Carnegie Hall, macht da keinen Unterschied.

Dabei erkennt selbst ein Laie, wie schauderhaft schlecht sie ist. Bei ihren Übungen und den Auftritten, die Bayfield vor handverlesenem Publikum daheim organisiert, schmettert sie die falschen Töne voller Imbrunst in den Raum, es ist die pure Comedy.

Doch Stephen Frears ist ein viel zu guter Regisseur, als dass er einfach nur eine schlechte Sängerin mit viel Selbstüberschätzung vorführen würde. Je länger der Film dauert, desto klarer wird, dass es ihm nicht nur um Jenkins selbst, sondern vor allem auch um ihre Beziehung zu St. Clair Bayfield geht. In erster Ehe hatte sie einen Arzt geheiratet, der sie in der Folge regelmäßig betrog und ihr die Syphilis anhängte. Die Krankheit, oder vielleicht auch die Behandlung mit Arsen und Quecksilber, führten zu einem Nervenleiden, das ihren Traum von einer Karriere als Konzertpianistin zunichte machte. Bayfield erklärt ihrem Arzt, dass die Krankheit auch der Grund sei, warum sie keinen Sex haben, seine Frau wolle ihn nicht anstecken. Er wohnt nicht einmal bei Jenkins, sondern hat ein eigenes kleines Apartment, in das er sich abends zurückzieht, wo er seine Freundin trifft und mit seinen Schauspieler-Kollegen wilde Parties feiert.

Vermutlich ahnt Jenkins, was sich dort abspielt, doch sie toleriert es. Denn im Gegenzug kümmert sich Bayfield aufopferungsvoll um sie, hält jede negative Kritik an ihren Sangeskünsten von ihr fern, sorgt dafür, dass sie glücklich ist. Vielleicht hat er sie einst tatsächlich vor allem wegen ihres Gelds geheiratet. Doch mittlerweile liebt er sie wirklich, und sie spürt das. "Ich habe nie über dich gelacht", sagt er ihr zum Schluss, als sie erkennt, wie die Leute tatsächlich über sie denken. Und das genügt ihr.

Der Film lebt sehr stark von seiner großartigen Hauptdarstellerin. Meryl Streep geling das Kunststück, die ganze Komik ihrer Figur herauszuarbeiten, ohne sie dabei der Lächerlichkeit preiszugeben. Ihre Florence Foster Jenkins ist ein zutiefst guter und gleichzeitig sehr verletzlicher Mensch, der nichts Böses an sich heranlässt und ihre Umgebung mühelos mit ihrem Charme für sich einnimmt. Hugh Grant unterstützt sie dabei nach Kräften, gibt seine Paraderolle als englischer Gentleman mit leichtem Hand zur Ironie. Simon Helberg macht seine Sache gut, besser als man es ihm nach seinen Auftritten bei "Big Bang" zutrauen würde, doch gegen Streep und Grant fällt er natürlich ab.

"Florence Foster Jenkins" hat nicht viel Handlung. Er zoomt in das Leben seiner Hauptfigur hinein und begleitet sie bis zu dem legendären Auftritt in den New Yorker Carnegie Hall. Es ist großes Gefühlskino, das Frears hier zelebriert, und man wünscht sich zum Schluss, man selbst wäre dieser Klavierspieler gewesen, der das alles sehen und erleben durfte.

"Florence Foster Jenkins" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Bearbeitet: Mittwoch 30 November 2016 21:10

Filmkritik: "Arrival"

Geschrieben am Sonntag 27 November 2016 um 16:51 von Roland Freist

Hallo Aliens, ich bin Louise

Ein Science-Fiction-Schmankerl für Linguisten ist dieser Film. Zwölf außerirdische Raumschiffe haben die Erde erreicht, 400 Meter lange, dunkle Gebilde, die senkrecht in der Luft schweben. Doch anstatt wie bei Roland Emmerich auf ein Zeichen ihren Eroberungsfeldzug zu starten, geben sie keinen Mucks von sich geben. Sie sind zunächst einfach nur da und besitzen eine ähnlich ikonische Ausstrahlung wie damals die schwarzen Monolithen in Kubricks "2001". Sie parken rund um die Welt, in Sibirien, im Indischen Ozean, im Sudan, Venezuela, Australien etc. Und ein Exemplar hat sich Montana als Standort ausgesucht.

Schon bald entdecken die Menschen, dass die Raumschiffe eine Einstiegsluke besitzen, die sich auch bereitwillig öffnet, wenn man sich ihr nähert. Und auch die Insassen zeigen sich, hinter einer Glasscheibe erscheinen riesige, tintenfischähnliche Lebewesen, die wegen ihrer sieben Arme bald Heptapods genannt werden. Sie besitzen auch eine Sprache aus Knurr-, Brumm- und Zischlauten, die von den menschlichen Gästen jedoch weder nachgeahmt noch verstanden werden kann.

Die US-Army, die das Gebiet rund um den Landeplatz sofort evakuiert hat, holt sich daher die Linguistik-Professorin Louise Banks (Amy Adams) sowie den theoretischen Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) zur Unterstützung. Sie sollen einen Weg finden, mit den Aliens Kontakt aufzunehmen. Denn eine Frage will das Militär in Gestalt von Colonel Weber (Forest Whitaker) möglichst schnell beantwortet haben: Was wollen sie von uns und warum sind sie hier?

Banks wird schnell klar, dass eine sprachliche Verständigung unmöglich ist. Also weicht sie aus auf eine zeichenbasierte Kommunikation und bringt bei ihren Besuchen Schrifttafeln mit. Und es funktioniert: Auch die Aliens besitzen eine Art von Schrift, Kreise aus mehreren Elementen, die zusammen einen Satz ergeben. In wochenlanger Arbeit beginnt sie Schritt für Schritt ein Vokabular aufzubauen, um sich mit der aus zwei Heptapods bestehenden Besatzung des Raumschiffs verständigen zu können. Ähnliches geschieht an den anderen Standorten, alle wissenschaftlichen Teams sind weltweit miteinander vernetzt. Doch dann führt eine unklare Übersetzung dazu, dass die Außerirdischen als Bedrohung wahrgenommen werden. Das Militär übernimmt die Regie, und es droht eine Katastrophe.

Man lernt in "Arrival" viel darüber, wie Sprache funktioniert und wie sie analysiert wird. Doch der Film ist alles andere als wissenschaftlich-nüchtern. Er wird erzählt aus der Sicht von Louise Banks – Amy Adams zeigt hier wieder einmal, was für eine großartige Schauspielerin sie ist. Natürlich hat sie Angst, als sie das Raumschiff betritt, in dem eine Schwerkraft senkrecht zu jener der Erde herrscht. Und bei der ersten Begegnung mit den Aliens sieht man ihr deutlich an, dass sie nur mit Mühe die aufsteigende Panik unterdrückt und sich bemüht, einen klaren Gedanken zu fassen. Auch Forest Whitaker und Jeremy Renner spielen ihre Rollen sehr überzeugend, allerdings zieht Adams jederzeit die Blicke auf sich.

Doch "Arrival" handelt nicht nur von Sprache und Kommunikation, es geht auch um die Zeit und die Frage, ob sich das Schicksal verändern lässt. Und wie bei allen Filmen, die sich an dieses Thema herantrauen, tauchen auch hier logische Probleme auf und man beginnt, Fragen zu stellen.

Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve hat die Handlung kunstvoll verschachtelt, er spielt ein wenig mit den Sehgewohnheiten der Zuschauer und ihren Erwartungen, wann und wozu Rückblenden eingesetzt werden. Auf diese Weise erzielt er zum Schluss einen Wow-Effekt, allerdings hat man als Betrachter auch ein wenig das Gefühl, bewusst in die Irre geführt worden zu sein. Hinzu kommt, dass der Sprache ein wenig zu viel abverlangt wird. Vielleicht ist die Auflösung am Ende metaphorisch gemeint, was jedoch nicht so aussieht und den Film daher ein wenig unglaubwürdig erscheinen lässt.

Trotzdem ist "Arrival' einer der großen Filme dieses Jahres und es erscheint nahezu sicher, dass die Oscar-Jury ihn berücksichtigen wird. Freuen würde mich die Auszeichnung vor allem für Amy Adams, die sich in den letzten Jahren zu einer der besten amerikanischen Schauspielerinnen entwickelt hat.

"Arrival" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Filmkritik: "Swiss Army Man"

Geschrieben am Donnerstag 13 Oktober 2016 um 17:14 von Roland Freist

Harry Potter hat Blähungen

Die Robinson-Geschichte von dem Mann, der auf einer einsamen Insel strandet, wurde schon oft und in vielen Variationen erzählt. Einer der spannendsten Aspekte war immer, wie der Schiffbrüchige die vorhandenen Ressourcen nutzt, um sich einen Unterschlupf zu bauen, Feuer zu machen und Wasser zu sammeln. Und natürlich gehörte auch immer der ebenfalls einsame Eingeborene dazu, dem Robinson Monologe zu jedem beliebigen Thema halten kann, denn er versteht sie ohnehin nicht. Robert Zemeckis hat in "Cast Away" mit Tom Hanks gezeigt, dass man diese Rolle daher auch gut einem Basketball übertagen kann. "Swiss Army Man" von den beiden Nachwuchs-Regisseuren Dan Kwan und Daniel Schreinert hat da noch eine andere Idee und besetzt die Rolle mit einem Zombie. Und aus dieser Konstellation ist ein witziger und sogar poetischer Film entstanden.

Ein Mann, der nur als Hank vorgestellt wird (Paul Dano, "Little Miss Sunshine"), ist offenbar schon vor längerer Zeit auf einer kleinen Insel gestrandet. Bart und Haare weisen einen beachtlichen Wildwuchs auf, Kleidung und Körper sind verdreckt. Der Mann ist an seiner Lage schon beinahe verzweifelt, zu Beginn sehen wir, wie er sich an einem Strick erhängen will. Doch im letzten Moment sieht er eine Leiche, die am Strand angeschwemmt wird. Und dieser zu Anfang noch leblose Körper, dem Hank später den Namen Manny gibt, rettet ihm im weiteren Verlauf der Handlung nicht nur das Leben, sondern lässt ihn auch wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Dazu muss sich der von Daniel "Potter" Radcliffe gespielte Manny allerdings zunächst in einen Zombie mit rudimentären Sprachfertigkeiten und ohne erkennbaren Appetit auf Menschenfleisch verwandeln. Dann jedoch entwickelt sich zwischen den beiden Protagonisten eine immer inniger werdende Freundschaft.

"Swiss Army Man" spielt außerhalb der Realität, nicht nur wegen des Zombies, sondern auch wegen der Fähigkeiten, die der Untote entwickelt und die Hank für seine Flucht von der Insel, die Wasserbeschaffung oder auch die Jagd benutzt. Ohne an dieser Stelle spoilern zu wollen, kann man wohl zumindest erzählen, dass die beiden noch sehr jungen Regisseure erkennbar eine geradezu southparkmäßige Lust an der Darstellung menschlicher Flatulenzen hegen. Der Humor des Films ist teilweise derb und passte recht gut zum Fantasy Filmfest, wo der Film seine deutsche Erstaufführung hatte. Hinter dem vordergründig verhandelten Thema, wie man mit Hilfe einer Leiche am Leben bleibt, entfaltet er jedoch eine sehr schöne und poetische Geschichte über Freundschaft und Liebe.

"Swiss Army Man" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Wie Alfred Hitchcock das Publikum manipuliert

Geschrieben am Mittwoch 10 August 2016 um 17:50 von Roland Freist

"Das Fenster zum Hof" ist einer der bekanntesten Hitchcock-Filme und einer der besten Thriller überhaupt. Ein Mord, der von einem Fotographen im Rollstuhl aufgeklärt wird, der keine Möglichkeit hat, sein Zimmer zu verlassen – solche Konstellationen sind es, die den Regisseur berühmt gemacht haben. Der folgende Videoessay vom Betreiber des Youtube-Channels "Jack's Movie Reviews" zeigt aber, dass noch erheblich mehr in diesem Film steckt und erklärt die Botschaften, die Hitchcock in der Handlung versteckt hat.

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