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Filmkritik: "Solo: A Star Wars Story"

Missglücktes Solo

Mit "Solo" startet Disney eine neue Storyline innerhalb des "Star Wars"-Universums. Unschwer zu erraten, dass es um Han Solo geht, den von Harrison Ford einst so wunderbar verkörperten Schmuggler, und seine Vorgeschichte, bevor er, wir erinnern uns, von Obi-Wan Kenobi auf Tatooine engagiert wurde. Diese Geschichte könnte man durchaus interessant machen, mit Schmuggler-Abenteuern, wilden Ritten durch die Galaxis und der Allgegenwart des bösen Imperiums. Doch leider trifft der Film praktisch von Anfang bis Ende zahlreiche falsche Entscheidungen, die ihn, alles zusammengenommen, zum bislang schlechtesten "Star Wars"-Streifen aller Zeiten machen.

Es beginnt bereits mit dem Hauptdarsteller, dem 1989 geborenen Alden Ehrenreich. Auch Harrison Ford war nie ein großer Schauspieler, hatte aber Ausstrahlung. Ehrenreich hat nicht einmal das. Er beherrscht etwa zweieinhalb verschiedene Gesichtsausdrücke und sieht über weite Strecken des Films so aus, als verstünde er nur ansatzweise, was um ihn herum gerade vorgeht. Gerade zum Ende hin wirkt er mehr wie Indiana Jones als wie Han Solo, was seine hölzerne Performance aber auch nicht besser macht.

Für eine weitere schlechte Entscheidung im Zusammenhang mit Ehrenreich trägt das Synchronstudio die Verantwortung. Die Firma hat dem jungen Han Solo die Stimme von Harrison Ford gegeben, der in Deutschland von dem heute 73-jährigen Wolfgang Pampel gesprochen wird. Auch wenn Herr Pampel ein ausgezeichneter Sprecher ist, hört man seiner Stimme das Alter doch deutlich an. In Zusammenhang mit einer Figur, die im Film vielleicht Anfang/Mitte 20 ist, wirkt das äußerst befremdlich.

Die dritte falsche Entscheidung war, die romantische Konstellation von Schmuggler, Wookie und Schiff (natürlich ist der Millennium Falke Teil der Story), die sich mit kleinen Gaunereien ihren Lebensunterhalt verdienen, aufzugeben und stattdessen eine Art Überfall auf einen Geldtransporter mit verwirrend vielen Beteiligten zu inszenieren.

Unverständlich ist auch, wieso man den Höhepunkt des Films, eine Verfolgungsjagd durch einen Mahlstrom, nicht ganz an den Schluss setzte, sondern die Handlung danach noch einmal etwa 20 Minuten lang vor sich hin plätschern lässt. Die Spannung ist raus, man hätte sich noch eine schöne Abschlussszene gewünscht, stattdessen quält sich das Drehbuch noch bis zu einem Ende, das die Möglichkeit für ein Sequel offenlässt.

Aber die vielleicht schlimmste Entscheidung der Macher von "Solo" war, das vertraute und geliebte "Star Wars"-Universum nahezu komplett aufzugeben. Der Film spielt zu etwa 80 bis 90 Prozent der Zeit am Boden, das Weltall ist nur selten zu sehen, und wenn, dann hat man nicht das Gefühl, dass man sich in einem Raumschiff befindet. Überhaupt dauert es mehr als eine Stunde, bis die Kamera zum ersten Mal an Bord eines Schiffes abhebt. Wenn ein Film eine "Star Wars Story" verspricht, dann will ich auch Star Wars haben und nicht den großen Eisenbahnraub.

Und damit nicht genug: Drehbuch und Regie verzichten auch weitgehend auf die von den Fans so heiß geliebten Details. Von den Jedi ist in keiner einzigen Szene die Rede, ebenso wenig von der Macht. Nur kurz vor Schluss ist einen Moment lang ein einzelnes Lichtschwert zu sehen. Ein paar Vertreter der imperialen Sturmtruppen stehen verloren in der Gegend herum, spielen jedoch für die Handlung keine Rolle. Auch auf die politischen Verhältnisse selbst, die immer ein wichtiger Teil der "Star Wars"-Filme bildeten, geht der Film nicht weiter ein. Irgendwann bildet sich eine Rebellentruppe, gegen was sie sich jedoch auflehnt, bleibt unklar.

Immerhin ist nicht alles schlecht an diesem Film. Die Special Effects sind sorgfältig ausgeführt, wenn auch nicht spektakulär. Der Kameramann, Bradford Yound ("Arrival"), hat einen guten Job gemacht. Donald Glover lässt sehr überzeugend den öligen Charme von Lando Calrissian wiederauferstehen. Und Emilia Clarke ("Game of Thrones"), die die undankbare Aufgabe hat, die Freundin des jungen Han Solo zu spielen, gelingt eine der eindrucksvolle Frauengestalt.

Disney, das für die Rechte an "Star Wars" mehrere Milliarden Dollar hingegelegt hat, betrachtet die Reihe offensichtlich als Cash Cow, die bis zum letzten Tropfen gemolken werden soll. Aus "Solo" soll eine eigene Filmreihe werden, die in den kommenden Jahren parallel zum Stammprojekt "Star Wars" Geld einspielt. Ob das nach diesem Beginn noch gelingen kann, erscheint fraglich. Aber vielleicht ist diese Erfahrung ganz heilsam und zeigt dem Studio, dass die Serie trotz ihrer weltweiten Beliebtheit und der gigantischen Fanbasis kein Selbstläufer ist.

"Solo: A Star Wars Story" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Montag 28 Mai 2018 um 17:04 von Roland Freist

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