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Filmkritik: "Star Wars: Die letzten Jedi"

Die erste Ordnung schlägt zurück

Wird Luke Skywalker die junge Rey zum Jedi ausbilden, so wie es Yoda einst mit ihm gemacht hat? Wird sie auch das nächste Duell mit Kylo Ren gewinnen? Werden sie sich vielleicht sogar gemeinsam gegen Snoke stellen, in einer Reminiszenz an den finalen Kampf zwischen Luke, Darth Vader und dem Imperator? Und was ist mit den Rebellen, können General Leia, ihr fischiger Oberkommandierender und Fliegerass Poe Dameron die Flotte der Ersten Ordnung entscheidend schlagen? Was wurde eigentlich aus Finn?

Die achte Episode der Star-Wars-Saga muss viele Fragen beantworten und lose Enden verknüpfen. Dabei erinnert sie über weite Strecken an eine bereits sehr lang laufende Fernsehserie, eine Art "Lindenstraße" im Weltall, in der die immer gleichen, altbekannten Charaktere mehr oder weniger lange Auftritte haben, bis der Film dann zum nächsten Handlungsstrang wechselt. Für Fans mit Hang zum Nerdtum ist das ein Traum, für den Regisseur vermutlich der Horror. Zumal Rian Johnson ("Looper"), der den Job übernommen hat, erkennbar auch noch mehrere Zusatzaufgaben des Filmstudios und seiner Marketing-Abteilung lösen musste: Die Kreation putziger Außerirdischer, die sich gut zur Vermarktung als Plüschfiguren eignen (in diesem Fall die Porgs, pinguinähnliche Wesen, die Skywalkers Insel-Wohnsitz instandhalten), sowie ständige Rückverweise auf vergangene Teile der Saga und ihre beliebtesten Szenen und Figuren.

Herausgekommen ist bei alledem ein Film mit etlichen Längen und einer, setzt man sie in Bezug zur Laufzeit von 152 Minuten, recht dünnen Story. Letztlich lassen sich zwei wesentliche Handlungsstränge unterscheiden: Der eine beschäftigt sich mit der Jedi-Werdung von Rey (Daisy Ridley) und den Versuchungen, die dabei von der dunklen Seite der Macht ausgehen, die in diesem Fall durch Han Solos und Leias missratenen Sohn Kylo Ren (Adam Driver) verkörpert wird. Die Parallelen zu "Das Imperium schlägt zurück" sind unübersehbar. Der zweite Strang schildert die verzweifelten Rückzugsgefechte der Rebellen, die zwar immer wieder kleine Punktsiege verbuchen können, von der massiven Macht der Ersten Ordnung jedoch ständig weiter zurückgedrängt werden.

Alles wie gehabt also, die Episoden IV bis VI präsentieren sich in neuem Gewand. Doch dann gelingt es Drehbuch und Film, für einige echte Überraschungen zu sorgen. Regisseur Johnson weicht plötzlich vom scheinbar vorgezeichneten Pfad ab, zerstört einige Gewissheiten und macht neugierig, wie es im nächsten Teil weitergehen wird. Denn ohne zu viel verraten zu wollen: Einige der wichtigsten Handlungsfäden hat er kurzentschlossen und quasi mit dem Lichtschwert gekappt. Und noch etwas unterscheidet "Star Wars: Die letzten Jedi" von den bisherigen Titeln der Reihe: Der Film hat Humor. Es ist der erste Star-Wars-Streifen, der an einigen Stellen tatsächlich zum Lachen reizt. Bei George Lucas hatte man ja immer den Eindruck eines großen Kindes, das sich stundenlang über die gestelzte Ausdrucksweise einen Protokolldroiden vereumeln kann. Johnson hingegen macht Witze für Erwachsene.

Hinzu kommt die technische Brillanz des Films. Die Animationen und CGI-Effekte sind perfekt, die Raumschlachten präzise und aufwendig inszeniert, die Schnitte wie mit dem Metronom gesetzt. Umso erstaunlicher ist es dann, dass Disney bei der 3D-Nachbearbeitung geschlampt hat. Seit Jahren ist bekannt, dass 3D-Brillen das Bild für den Zuschauer etwa zehn Prozent dunkler machen. Die Studios hellen die Filme daher etwas auf, um den Effekt auszugleichen. Das ist hier offenbar unterlassen worden. Einige Szenen in Höhlen und an anderen finsteren Orten fallen so düster aus, dass man zwischendurch die 3D-Brille abnimmt, um überhaupt noch Details erkennen zu können. Soweit möglich, sollten Sie sich den Film daher lieber in 2D ansehen.

Insgesamt ist der Eindruck von "Star Wars: Die letzten Jedi" zwiespältig: Hätte man ihn beherzt um eine halbe bis dreiviertel Stunde gekürzt, wäre er vermutlich spürbar besser geworden. Er ist andererseits auch nicht schlecht, bringt einige Überraschungen mit und einige wirklich eindrucksvolle Szenen, in denen er viel grafische Fantasie beweist. Das Gesamturteil lautet daher: Daumen hoch, wenn auch erst nach einigem Zögern.

"Star Wars: Die letzten Jedi" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Sonntag 17 Dezember 2017 um 19:19 von Roland Freist

Bearbeitet: Dienstag 16 Januar 2018 23:04

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