« Wie Alfred Hitchcock das Publikum manipuliert | Zurück zur Startseite dieses Blogs | Filmkritik: "Arrival" »

Filmkritik: "Swiss Army Man"

Harry Potter hat Blähungen

Die Robinson-Geschichte von dem Mann, der auf einer einsamen Insel strandet, wurde schon oft und in vielen Variationen erzählt. Einer der spannendsten Aspekte war immer, wie der Schiffbrüchige die vorhandenen Ressourcen nutzt, um sich einen Unterschlupf zu bauen, Feuer zu machen und Wasser zu sammeln. Und natürlich gehörte auch immer der ebenfalls einsame Eingeborene dazu, dem Robinson Monologe zu jedem beliebigen Thema halten kann, denn er versteht sie ohnehin nicht. Robert Zemeckis hat in "Cast Away" mit Tom Hanks gezeigt, dass man diese Rolle daher auch gut einem Basketball übertagen kann. "Swiss Army Man" von den beiden Nachwuchs-Regisseuren Dan Kwan und Daniel Schreinert hat da noch eine andere Idee und besetzt die Rolle mit einem Zombie. Und aus dieser Konstellation ist ein witziger und sogar poetischer Film entstanden.

Ein Mann, der nur als Hank vorgestellt wird (Paul Dano, "Little Miss Sunshine"), ist offenbar schon vor längerer Zeit auf einer kleinen Insel gestrandet. Bart und Haare weisen einen beachtlichen Wildwuchs auf, Kleidung und Körper sind verdreckt. Der Mann ist an seiner Lage schon beinahe verzweifelt, zu Beginn sehen wir, wie er sich an einem Strick erhängen will. Doch im letzten Moment sieht er eine Leiche, die am Strand angeschwemmt wird. Und dieser zu Anfang noch leblose Körper, dem Hank später den Namen Manny gibt, rettet ihm im weiteren Verlauf der Handlung nicht nur das Leben, sondern lässt ihn auch wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Dazu muss sich der von Daniel "Potter" Radcliffe gespielte Manny allerdings zunächst in einen Zombie mit rudimentären Sprachfertigkeiten und ohne erkennbaren Appetit auf Menschenfleisch verwandeln. Dann jedoch entwickelt sich zwischen den beiden Protagonisten eine immer inniger werdende Freundschaft.

"Swiss Army Man" spielt außerhalb der Realität, nicht nur wegen des Zombies, sondern auch wegen der Fähigkeiten, die der Untote entwickelt und die Hank für seine Flucht von der Insel, die Wasserbeschaffung oder auch die Jagd benutzt. Ohne an dieser Stelle spoilern zu wollen, kann man wohl zumindest erzählen, dass die beiden noch sehr jungen Regisseure erkennbar eine geradezu southparkmäßige Lust an der Darstellung menschlicher Flatulenzen hegen. Der Humor des Films ist teilweise derb und passte recht gut zum Fantasy Filmfest, wo der Film seine deutsche Erstaufführung hatte. Hinter dem vordergründig verhandelten Thema, wie man mit Hilfe einer Leiche am Leben bleibt, entfaltet er jedoch eine sehr schöne und poetische Geschichte über Freundschaft und Liebe.

"Swiss Army Man" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Donnerstag 13 Oktober 2016 um 17:14 von Roland Freist

blog comments powered by Disqus

« Wie Alfred Hitchcock das Publikum manipuliert | Zurück nach oben | Filmkritik: "Arrival" »

Impressum/Kontakt