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Filmkritik: "Deadpool"

Held ja, Film ja, aber nicht super

Man kann’s ja mal versuchen. "Deadpool" ist der etwas andere Superheldenfilm, albern, geschmacklos, unmoralisch. Das muss nichts Schlechtes sein, im Gegenteil. Doch so, wie der Film umgesetzt wurde, ist er ein Schuss in den Ofen.

Die Handlung ist simpel. Wade Wilson (Ryan Reynolds), ein ehemaliges, hoch ausgezeichnetes Mitglied der Special Forces, führt ein einfaches, aber gutes Leben. Die meiste Zeit hängt er in einer Bar ab, die von seinem Freund Weasel (T. J. Miller) geführt wird, und er hat Morena Baccarin ("Homeland") als Freundin. Als bei ihm ein unheilbarer Krebs diagnostiziert wird, willigt er aus Verzweiflung in eine Behandlung ein, bei welcher der Körper schmerzhaften Foltern unterzogen wird, damit er, quasi als Gegenreaktion, mutiert und sowohl erweiterte Selbstheilungs- wie auch Superkräfte entwickelt. Das funktioniert auch, allerdings sieht Wade danach aus wie das Opfer einer Brandkatastrophe. Um das zu verbergen, zieht er sich ein Superheldenkostüm über, nennt sich fortan Deadpool und macht sich auf die Suche nach dem Arzt, der ihm das angetan hat.

Entlang dieses Erzählstrangs reiht sich eine Prügel- und Kampfszene an die andere. Allerdings bleibt es nicht bei fliegenden Fäusten, denn die meisten Gegner werden durch Kopfschüsse erledigt, oftmals wird ihnen auch gleich der gesamte Kopf abgehackt. Das Ganze wird begleitet von den sarkastischen Bemerkungen von Wade/Deadpool, wobei er sich einige Male von der Leinwand herab direkt ans Publikum wendet. Der Humor ist einfach und grobschlächtig, die meisten Witze drehen sich um Penisse und Sex. Dazu kommen noch einige Anspielungen auf andere Titel aus dem Marvel-Superhelden-Universum, die jedoch auch nicht besser gelungen sind. Insgesamt wirkt der Film so, als habe da jemand als Kind zu viele Bud-Spencer-Filme gesehen und versuche nun, die dabei gewonnenen Erkenntnisse auf das Superhelden-Genre zu übertragen. "Deadpool" ist über weite Strecken die Sparversion eines Superheldenfilms, ein kleiner Ableger der X-Men-Reihe. Man kann’s ja mal versuchen.

Es gibt zwei positive Aspekte an "Deadpool": Zum einen gelingt es ihm in einigen Szenen tatsächlich, die physischen und psychischen Schmerzen der Hauptperson sichtbar zu machen. Und plötzlich wird unter dem ganzen Geblödele tatsächlich ein echter Charakter sichtbar. Das wiederum hängt eng mit dem zweiten positiven Aspekt zusammen, und der heißt Ryan Reynolds. Dass er ein guter Schauspieler ist, wusste man spätestens seit dem Ein-Personen-Stück "Buried". Hier gelingt es ihm, diesem Wade Wilson, von dem man absolut nichts erfährt und der einem entsprechend gleichgültig ist, zumindest ansatzweise eine glaubwürdige Persönlichkeit zu verleihen. Angesichts des schwachen Drehbuchs nötigt einem diese Leistung echten Respekt ab.

Vor rund zwei Jahren kam ein Film mit dem Titel "Guardians of the Galaxy" ins Kino, ebenfalls ein etwas anderer Superheldenfilm aus dem Hause Marvel. Auch er war in einigen Szenen etwas grob gestrickt und krankte insgesamt an einem Zuviel an Handlung. Verglichen mit "Deadpool" wirkt er im Rückblick jedoch wie ein fein ausbalanciertes Meisterwerk mit sorgfältig gezeichneten Charakteren und voll intelligentem Humor.

"Deadpool" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Sonntag 14 Februar 2016 um 21:44 von Roland Freist

Bearbeitet: Montag 15 Februar 2016 15:24

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